Die Pakistan-verbundene SideCopy-Gruppe setzt ihre Kampagnen gegen südAsiatische Institutionen fort. Dieses Mal steht Afghanistans Finanzministerium im Visier – ein neuerliches Beispiel für regional fokussierte Cyberangriffe, die Sicherheitsexperten weltweit mit wachsender Sorge beobachten.
Die Angriffskette beginnt mit präzise ausgearbeiteten Phishing-E-Mails, die ZIP-Archive mit manipulierten LNK-Dateien enthalten. Diese Shortcut-Dateien tragen bewusst Pashto-Filennamen – ein psychologischer Trick, um Vertrauen bei Regierungsbeamten zu schaffen, die diese Sprache sprechen. Seqrite Labs-Forscher Dixit Panchal betont: Diese sprachliche Genauigkeit belegt tiefe Ortskenntnisse der Angreifer.
Technischer Ablauf der Infektion
Einmal ausgeführt, nutzt die LNK-Datei “mshta.exe”, um ein HTML Application (HTA) von einer kompromittierten afghanischen Bildungswebseite zu laden. Dies führt zur Ausführung von verschleiertem JavaScript im RAM. Der nächste Schritt: Eine DLL-basierte Loader-komponente installiert Xeno RAT 1.8.7 und platziert ein Köder-Dokument als Ablenkungsmittel. Zur Verschleierung der Persistenz nutzen die Angreifer Registry-Einträge, die Microsoft Edge imitieren.
Gefährliche RAT-Funktionen
Xeno RAT bietet das volle Arsenal einer Remote-Access-Malware: TCP-basierte Kommunikation mit C2-Servern, DLL-Modul-Ausführung, Datendiebstahl, Keylogging, Screenshot-Erfassung, Clipboard-Monitoring, Webcam- und Mikrofon-Zugriff sowie SOCKS5-Proxy-Tunneling. Die Malware ist damit ein vollwertiges Spionage-Werkzeug.
Breiteres Angriffsmuster
Die SideCopy-Kampagne reiht sich in ein größeres Bedrohungs-Cluster ein: Im April 2025 führte die Gruppe ähnliche Attacken gegen indische Ziele mit Xeno RAT, Spark RAT und CurlBack RAT durch. Parallel attackiert Transparent Tribe auch indische Militär-Infrastruktur mit Linux .desktop-Dateien – Kampagnen, die DeskRAT, einen Golang-basierten ELF-Implant, einschleusen.
Was das für Deutschland bedeutet
Die Attacke zeigt fortgeschrittene Techniken im Spear-Phishing und RAT-Einsatz, die auch europäische Institutionen mit sensiblen Aufgaben bedrohen könnten. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) überwacht APT36/Transparent Tribe kontinuierlich und warnt Behörden vor ähnlichen Angriffsmustern. Für Unternehmen mit Afghanistan-Präsenz sind solche Erkenntnisse entscheidend für eine adäquate Sicherheits-Architektur.
