Die Attacke offenbart erneut die wachsende Gefahr von Supply-Chain-Kompromittierungen im JavaScript-Ökosystem. Der Malware-Code mit dem Label “Miasma: The Spreading Blight” wurde gezielt entwickelt, um sensible Anmeldeinformationen zu stehlen: GitHub-Actions-Secrets, NPM-Tokens, Cloud-Credentials, Kubernetes- und Vault-Material, SSH-Schlüssel sowie Git-Credentials waren im Visier der Angreifer.
Besonders bemerkenswert ist die Funktionsweise des Wurms. Statt unmittelbar nach der Installation aktiv zu werden, setzt der Malware auf eine subtile Exfiltrationsstrategie: Die gestohlenen Daten werden auf einen attacker-kontrollierten Server übertragen. Als Fallback-Mechanismus nutzt der Wurm GitHub selbst — die erbeuteten Informationen werden in neu erstellte öffentliche Repositories hochgeladen. Dadurch wurde die Entdeckung erschwert und die Verbreitung maximiert.
Laut Ox Security konnten Sicherheitsforscher mindestens 210 Repositories identifizieren, die stolen credentials enthielten. Das deutet darauf hin, dass mindestens genauso viele Entwickler die bösartigen Paketversionen heruntergeladen und installiert haben. Der Malware versuchte zudem, gestohlene GitHub-Tokens zu missbrauchen, um weitere Repositories zu enumerieren und malicious Payloads einzuschleusen.
Es wird vermutet, dass die Hacker-Gruppe TeamPCP hinter der Attacke steckt — eine Gruppe, die bereits mehrfach Open-Source-Ziele ins Visier genommen hat. Im Mai hatte dieselbe Gruppe den Source-Code des Mini-Shai-Hulud-Wurms öffentlich freigegeben und damit eine Art Challenge an andere Cyberkriminelle gestartet, ihn für Supply-Chain-Attacken zu nutzen. Dies zeigt ein neues Eskalationsniveau in der Cyberkriminalität.
Red Hat hat reagiert und saubere Versionen aller 32 betroffenen Pakete veröffentlicht. Die manipulierten Iterationen wurden aus dem NPM-Repository entfernt. Alle Nutzer sollten unverzüglich auf die aktuellen, sauberen Versionen updaten. Entwickler, die die bösartigen Versionen installiert haben, müssen ihre gesamte Build-Umgebung als kompromittiert betrachten und sofort alle Credentials, Tokens und API-Keys rotieren.
Das BSI empfiehlt deutschen Unternehmen, ihre Abhängigkeitsketten zu überprüfen, da die Red-Hat-Pakete weit verbreitet als indirekte Bibliotheken eingebunden sind. Verdächtige ausgehende Netzwerkverbindungen sollten monitort werden.
