Nach Einschätzung von Black Lotus Labs ist JDY vor allem ein Werkzeug für technische Aufklärung. Das Botnetz übernimmt Diensterkennung, das Auslesen von Service-Bannern, das Sammeln von TLS-Zertifikaten, Protokoll-Fingerprinting und eine auf konkrete Schwachstellen ausgerichtete Erkundung. Besonders auffällig sei dabei die gezielte Ausrichtung auf das US-Militär und verbundene Organisationen; diese seien unter den beobachteten Sektoren am prominentesten.
Für die Infrastruktur des Botnetzes greifen die Betreiber laut Lumen auf versteckte Tor-Dienste zurück, die zugleich als Command-and-Control-Server dienen. In einzelnen Fällen kommt zudem das quelloffene Reverse-Shell- und Host-Management-Framework Platypus zum Einsatz. Die Schadsoftware meldet sich bei einem zentralen „Dispatch Service“ an, erhält dort Scan-Aufträge, führt diese aus, komprimiert die Ergebnisse und übermittelt sie an die C2-Infrastruktur zurück. Dieser Ablauf wiederholt sich fortlaufend, bis die Operatoren ihn ausdrücklich stoppen.
Zu den kompromittierten Geräten zählen laut Bericht Systeme von Cisco, Araknis, Mimosa Networks, Ubiquiti, DrayTek, Hikvision und Linksys. Unterstützt werden dabei die Architekturen MIPS, MIPS64, MIPSEL und MIPSEL64. Dass die absolute Zahl der Bots vergleichsweise klein wirkt, bewertet Black Lotus Labs nicht als Widerspruch zur Gefährlichkeit des Netzes: JDY sei weder ein Exploit-Framework noch ein DDoS-Botnetz, das große Schwärme brauche, sondern eine verteilte Scan- und Fingerprinting-Plattform.
Wie schnell die Betreiber auf neue Schwachstellen reagieren, illustriert laut Lumen ein aktuelles Beispiel: Die Forscher beobachteten JDY-Scans auf CVE-2026-35616 kurz nachdem Fortinet die Schwachstelle in FortiClient EMS öffentlich gemacht hatte. Black Lotus Labs wertet das als Hinweis darauf, dass die Botnetz-Betreiber neue Offenlegungen sehr schnell in Aufklärungsaktivitäten übersetzen.
Technisch heben die Forscher besonders die TCP-Scan-Funktion hervor. Verfügt JDY über ausreichende Rechte, nutzt die Malware ein deutlich schnelleres und unauffälligeres Raw-SYN-Scanning. Wenn sie einen Raw Socket öffnen kann, was in der Regel Root- oder Administratorrechte erfordert, startet sie laut Bericht Hochgeschwindigkeits-SYN-Scans mit eigens erzeugten TCP-Paketen. Diese Pakete verwenden einen festen Quellport 19000, erhöhen die Zielports schrittweise und bearbeiten tausende Scan-Ziele stapelweise.
Bereits zuvor hatte CISA vor den Risiken gewarnt, die von Volt-Typhoon-Akteuren für ungeschützte SOHO-Router ausgehen. Die Behörde forderte Hersteller von Netzwerkgeräten auf, Schwachstellen in Web-Management-Schnittstellen von SOHO-Routern schon in Design- und Entwicklungsphasen zu beseitigen.
