Anthropic hatte bereits im April erklärt, Mythos sei ein Spitzenmodell, das Sicherheitsrisiken für Unternehmen weltweit mit sich bringe. Damals warnte das Unternehmen, der Vorteil werde auf der Seite liegen, die diese Werkzeuge am besten nutzen könne. Kurzfristig könnten das Angreifer sein, falls führende Labore bei der Freigabe solcher Modelle nicht vorsichtig vorgingen. Langfristig erwartet Anthropic dagegen Vorteile für Verteidiger, die Ressourcen effizienter steuern und mit solchen Modellen Fehler beheben könnten, bevor neuer Code überhaupt ausgeliefert wird.

Nach Darstellung des Unternehmens ist Fable 5 die sicherere Ausführung derselben Modellklasse. Für besonders heikle Bereiche greift das Modell auf strenge Schutzvorkehrungen zurück. Sensible Anfragen, darunter solche zur offensiven Cybersicherheit sowie zu Biologie oder Chemie, sollen blockiert oder auf Opus 4.8 umgeleitet werden. Claude Mythos 5 ist laut Anthropic die unbeschränkte Version desselben Modells, bei der diese Schutzmechanismen aufgehoben sind.

Gerade wegen der damit verbundenen Risiken bleibt Claude Mythos 5 nur einem stark überprüften Kreis vertrauenswürdiger Partner vorbehalten. Anthropic nennt dabei staatliche Cyberverteidiger und bestimmte Forschende in den Lebenswissenschaften. Für Fable 5 öffnet das Unternehmen den Zugang weiter, verweist aber zugleich auf hohe Betriebskosten. Das Modell sei teuer, weil es viel Rechenleistung benötige. Deshalb könne Anthropic es nicht so leicht verfügbar machen wie Opus 4.8 oder frühere Modelle.

Bis zum 22. Juni wird Fable 5 laut Anthropic allen Kunden mit Pro-, Max- und Enterprise-Zugang angeboten. Nach Ablauf dieses Zeitfensters soll das Modell auf nutzungsbasierte Abrechnung umgestellt werden.

BleepingComputer berichtet aus eigenen Tests, dass Fable 5 innerhalb weniger Minuten eine sehr große Zahl an Tokens verbrauche. Besonders auffällig sei das im Zusammenspiel mit Workflow gewesen, einem neuen Ausführungssystem, mit dem Claude komplexe Eingaben in kleinere Aufgaben zerlegt und parallele Unteragenten zur Umsetzung startet. In diesem Modus habe Claude Fable 5 ein tägliches Nutzungskontingent einer 100-Dollar-Max-Mitgliedschaft, das zu Beginn noch unberührt gewesen sei, in nur neun Minuten ausgeschöpft.

Bei normaler Nutzung trete dieses Verhalten laut BleepingComputer nicht auf. Wer jedoch den Workflow-Modus aktiviere und die Denkleistung des Modells hoch einstelle, werde seine Tokens innerhalb weniger Minuten verbrauchen. Selbst ohne Nutzung von Fable 5 mit Workflow bei besonders hohem Aufwand werde das Kontingent demnach noch immer doppelt so schnell verbraucht wie beim Opus-Modell.

Für Anthropic erklärt das den zurückhaltenden Start von Fable 5. BleepingComputer verweist darauf, dass das Unternehmen dafür bekannt sei, Modelle zunächst zu drosseln und die Kapazität später zu erhöhen. Laut Bericht könnte sich die Verfügbarkeit deshalb in den kommenden Wochen noch verändern.