Im Zentrum der von Sophos beschriebenen Aktivität steht ein technisch organisierter Testprozess. Die Angreifer prüften Schadsoftware wiederholt gegen EDR-Werkzeuge, sammelten die Ergebnisse und ließen anschließend ein automatisiertes Active-Directory-Panel die nächste Aufgabe aus einer vordefinierten Liste auswählen. Danach wurden Aufträge an entfernte Agenten verteilt und nach Abschluss erneut bewertet. Sophos beschreibt das als strukturierten Entwicklungszyklus mit menschlicher Prüfung und Iteration.
Die Rolle der KI war dabei nach Einschätzung von Sophos zwar vorhanden, aber begrenzt. Die KI-gestützte Malware-Entwicklung habe vor allem Experimente unterstützt und Arbeitsabläufe koordiniert. Neuartig sei vor allem das Zusammenspiel aus automatisierten Agenten, Testlabor und wiederholter Auswertung gewesen: entwickeln, testen, analysieren, verfeinern.
Hinweise auf die Arbeitsweise fanden sich laut Sophos auch im Git-Repository des Angreifers. Dort entdeckten die Forscher Artefakte, die darauf hindeuten, dass der Akteur gezielt Herstelleranalysen auswertete, um mögliche Techniken zur Umgehung von Malware-Erkennung zu identifizieren. Den Agenten wurden demnach Aufgaben zugewiesen, um diese Informationen zu sichten, relevante Inhalte herauszuziehen, die erkannten Methoden MITRE-ATT&CK-Techniken zuzuordnen, die Laborumgebung vorzubereiten und anschließend Tests durchzuführen.
Die Testumgebung selbst bestand laut Sophos aus mehreren virtuellen Maschinen mit Windows Server 2022, die einen Red-Team-Prozess nachbildeten, einschließlich einer eigenen Steuerungsumgebung. Eine virtuelle Maschine testete Werkzeuge gegen den Sophos-Agenten, eine weitere gegen den CrowdStrike-Agenten, und eine dritte diente als Kontrollumgebung ohne installierten EDR-Agenten. Eine vierte virtuelle Maschine mit Ubuntu fungierte nach Angaben von Sophos als C2-Server für das Post-Exploitation-Framework Sliver.
Sophos identifizierte zudem mehrere von dem Bedrohungsakteur verwendete LLM-Werkzeuge. Genannt werden der KI-gestützte Programmeditor Cursor für die Malware-Entwicklung sowie Claude Opus als primäres Modell der eingesetzten KI-Agenten. Diese Agenten dienten laut Sophos insbesondere dazu, die Malware-Tests zu orchestrieren und zu automatisieren sowie weitere Funktionen der operativen Sicherheit zu unterstützen.
Der Blogbeitrag konzentriert sich zwar auf die ungewöhnliche Testumgebung, Sophos ordnet das Framework aber in einen größeren Zusammenhang ein. Es sei aufgebaut worden, um unauffällige Aktivitäten nach einer erfolgreichen Kompromittierung in Zielumgebungen zu erleichtern. Zudem stehe die Aktivität mit „bekannten Operationen zur Bereitstellung von Ransomware und zum Diebstahl von Daten“ in Verbindung.
Für die erste Entdeckung war nach Angaben von Sophos ein auffälliger Endpunkt in einer Kundenumgebung ausschlaggebend, der Alarme wegen Schadlasten aus dem Verzeichnis „C:\Users\User\Documents\test“ auslöste. Mehrere Dateien in diesem Ordner seien bösartig gewesen und hätten auf ein breiter angelegtes Framework zur Umgehung von Erkennung hingedeutet. Dark Reading bat Sophos um weitere Informationen.
