Nach Angaben von F6 locken die Angreifer ihre Ziele unter verschiedenen Vorwänden auf schädliche Links oder gefälschte Webseiten. Teilweise behaupteten sie, eine neue Anwendung entwickelt zu haben, und baten die Empfänger, diese zu testen. In anderen Fällen schlugen sie den Austausch intimer Fotos über eine vermeintlich sichere Anwendung zum Teilen von Bildern vor.
Tatsächlich installierte diese Anwendung eine bislang unbekannte Android-Spionagesoftware, die die Forscher SafeLoveStealer nennen. Laut dem Bericht kann die Schadsoftware Fotos, Videos, Dokumente, Standortdaten und weitere Informationen von kompromittierten Geräten stehlen. Zudem erlaubt sie es den Angreifern, das Mikrofon des Zielgeräts aus der Ferne zu aktivieren und Gespräche aufzuzeichnen.
Parallel betreibt die Gruppe Phishing-Seiten, die als Telegram-Anmeldeseiten, Einladungen zu Telegram-Communitys, Portale für medizinische Tests und andere Onlinedienste getarnt sind. Dort sollen Opfer ihre Telefonnummer, den Telegram-Bestätigungscode und das Passwort für die Zwei-Faktor-Authentifizierung eingeben. Damit können die Angreifer laut F6 die Kontrolle über die Konten übernehmen und die Kommunikation der Betroffenen überwachen.
Neben der mobilen Spionagesoftware setzte SiribClone auch eine zuvor nicht dokumentierte Schadsoftware für Desktop-Rechner ein, die F6 SiribGrabber nennt. Deren Hauptzweck besteht dem Bericht zufolge darin, Dateien von infizierten Systemen zu stehlen.
In der zwischen Januar und Februar dieses Jahres beobachteten Kampagne verschickten die Hacker ZIP-Archive, die als militärbezogene Dokumente getarnt waren. Nach mehreren Monaten offensichtlicher Inaktivität tauchte die Gruppe im Mai erneut auf. Diesmal wurde neue Schadsoftware über eine Webseite verbreitet, die thematisch an die russischen Feiern zum Tag des Sieges angelehnt war.
Die Forscher entdeckten außerdem eine interne Verwaltungsplattform der Angreifer, die sie Kontur nennen. Dort werden gestohlene Telegram-Sitzungen gespeichert, und die Betreiber können abgefangene Nachrichten einsehen. Interne Notizen auf der Plattform verwiesen auf militärische Dienstgrade, Einheitenbezeichnungen, Orte und Einsatzstatus. Das deutet laut F6 darauf hin, dass die Kampagne in erster Linie militärischer Spionage dient.
F6 zufolge verfolgt SiribClone dabei zwei Hauptziele: technische, geografische und persönliche Daten von infizierten Geräten zu sammeln und einen dauerhaften Zugriff auf die Telegram-Konten der Opfer zu erlangen, um Kommunikation abzufangen. Eine Zuordnung der Kampagne zu einem bestimmten Staat oder einem bekannten Bedrohungsakteur nahmen die Forscher nicht vor.
