Denis Obrezko erschien am Dienstag erstmals vor einem Bundesgericht in Boston. Zuvor war er aus Thailand an die USA überstellt worden, wo er im vergangenen November festgenommen worden war. Reuters berichtete am Donnerstag, US-Staatsanwälte warfen ihm vor, den staatlich mit Russland verbundenen Bedrohungsakteur Void Blizzard unterstützt zu haben.
Nach Darstellung der Anklage soll Obrezko Infrastruktur bereitgestellt haben, die die Cyberoperationen der Gruppe unterstützte und unbefugten Zugang zu Computern ermöglichte. Die Staatsanwaltschaft führt demnach auch Kryptowährungstransaktionen an, die mit ihm in Verbindung stehen. Mit diesen seien ein virtueller privater Server und eine Internet-Domain gekauft worden, die Angriffe auf Organisationen in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern ermöglicht hätten.
Aus einer in dem Verfahren eingereichten eidesstattlichen Erklärung des FBI geht hervor, dass Ermittler bislang mindestens 11 kompromittierte US-Unternehmen identifiziert haben. Die Behörden gehen laut den Unterlagen davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Betroffenen erheblich höher ist. Das US-Justizministerium, das den Fall verfolgt, reagierte laut Bericht nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
Die Festnahme in Thailand erfolgte Anfang November bei einer gemeinsamen Operation der thailändischen Behörden mit dem FBI auf der Ferieninsel Phuket. Bei der Durchsuchung von Obrezkos Hotelzimmer beschlagnahmten Ermittler Laptops, Mobiltelefone und Kryptowährungs-Wallets. Obrezko blieb Berichten zufolge zunächst in Gewahrsam, während das Verfahren weiterläuft.
Russische Staatsmedien hatten zuvor berichtet, Obrezko stamme aus Stawropol im Südwesten Russlands und habe für russische Technologieunternehmen gearbeitet, die Hochtechnologiesysteme für heimische Industrien entwickeln. Später besuchten ihn russische Diplomaten in Haft und drängten auf seine Rückkehr nach Russland. Moskau setzte ihn außerdem Anfang dieses Jahres gesondert auf eine internationale Fahndungsliste.
Forscher beschreiben Void Blizzard als eine vergleichsweise neue Gruppe, die russische Regierungsinteressen unterstützt. Ziel der Hacker waren demnach Behörden, Rüstungsunternehmen, Transportunternehmen, Medienorganisationen, Gesundheitsdienstleister und Nichtregierungsorganisationen in Europa und Nordamerika. Laut den Forschern dringt die Gruppe typischerweise mit gekauften oder gestohlenen Zugangsdaten in Netzwerke ein, um E-Mails und interne Dokumente zu stehlen.
