Die demokratischen Mitglieder des Ausschusses richteten ihre Kritik vor allem gegen drei Punkte des KIDS Act. Der enthaltene Wissensmaßstab sei zu schwach und erlaube es Tech-Unternehmen, sich der Verantwortung für Online-Schäden zu entziehen, indem sie geltend machten, sie wüssten nicht, dass Kinder ihre Plattformen nutzen und Schutz verdienten. Zudem fehle eine Sorgfaltspflicht, die Plattformen zwingen würde, die gravierendsten Risiken proaktiv zu mindern.

Besonders umstritten ist eine Bestimmung zur Verdrängung bundesstaatlicher Gesetze (preemption). Der ranghöchste Demokrat im Ausschuss, Frank Pallone (New Jersey), erklärte, die Republikaner machten den großen Tech-Konzernen ein “riesiges Geschenk”, indem sie von strengeren Verdrängungsregeln abrückten, die zuvor in den Entwürfen enthalten waren. Die neue Formulierung könne nicht nur strengere Landesgesetze etwa zur künstlichen Intelligenz blockieren, sondern auch bestehende Bemühungen untergraben, Unternehmen wie Meta und Roblox vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen.

Meta und Roblox sehen sich derzeit mehreren Sammelklagen sowie Klagen von Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten gegenüber. Im vergangenen Monat musste Meta-Chef Mark Zuckerberg in einem wegweisenden Prozess in Kalifornien aussagen, in dem es um den Vorwurf geht, das suchterzeugende Design von Instagram schade der psychischen Gesundheit Jugendlicher.

Ausschussvorsitzender Guthrie verteidigte das Vorhaben: Man unternehme “bedeutsame Schritte, um Eltern zu stärken sowie Kinder und Jugendliche online zu schützen”. Die Abgeordnete Debbie Dingell (Michigan) hingegen warf den Republikanern vor, ein Paket durchzudrücken, das die Industrie über die Rechenschaftspflicht und über die Kinder stelle; sie verwies unter Tränen auf anwesende Eltern, die Kinder durch Suizide verloren hätten.

Die Elterninitiative Parents for Safe Online Spaces (ParentsSOS) dankte den Republikanern für Verbesserungen am KIDS Act – etwa die Vorgabe, Empfehlungsalgorithmen für Kinder und Jugendliche standardmäßig abzuschalten. Zugleich zeigte sich die Koalition enttäuscht, dass das Repräsentantenhaus die Kernpunkte des Kids Online Safety Act (KOSA) aufgegeben habe, der im Senat 75 überparteiliche Mitunterstützer zählt und eine Sorgfaltspflicht vorsieht.

Neben dem KIDS Act beriet der Ausschuss zwei weitere Entwürfe. Sammy’s Law ist nach Sammy Chapman benannt, der über Snapchat eine mit Fentanyl versetzte Pille kaufte und daran starb; das Gesetz soll sicherstellen, dass Sicherheits-Apps von Drittanbietern Eltern bei klarer Gefahr für ihr Kind benachrichtigen. Der App Store Accountability Act verlangt von App-Stores die Zustimmung der Eltern für Downloads durch unter 18-Jährige. Initiator John James (Michigan) verglich dies mit dem stationären Handel, der für den Verkauf altersbeschränkter Waren wie Tabak und Alkohol an Minderjährige haftbar sei.

Vertreter digitaler Freiheitsrechte kritisierten die Beschlüsse scharf. Kate Ruane, Direktorin des Free Expression Project beim Center for Democracy and Technology, warnte, alle drei Gesetze bedrohten die Privatsphäre und Meinungsfreiheit aller Internetnutzer und drängten Dienste zu Verfahren der Altersprüfung, bei denen Menschen sensible Informationen preisgeben müssten.

Ein weiterer geplanter Entwurf, der Children and Teens’ Online Privacy Protection Act, wurde zurückgestellt und soll zu einem späteren Zeitpunkt behandelt werden.