Die Zerschlagung von AudiA6 geht auf eine internationale Operation zurück, an der neben Europol auch der United States Secret Service, IRS Criminal Investigation, die polnische Polizei sowie Strafverfolgungsbehörden aus Australien, Kanada, Frankreich, Georgien, Deutschland, Island, Japan, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich beteiligt waren. Laut Europol war die Maßnahme das Ergebnis eines früheren Zugriffs der polnischen Polizei, bei dem im September 2025 ein ukrainischer Staatsangehöriger wegen mutmaßlicher Geldwäscheaktivitäten im Zusammenhang mit der AudiA6-Gruppe festgenommen wurde.

Diese Festnahme ermöglichte den Behörden nach Angaben von Europol eine forensische Untersuchung sichergestellter elektronischer Geräte. Dabei seien weitere Personen identifiziert worden, die mit der Operation in Verbindung stehen. Im Zuge der Aktion vom 10. Juni 2026 wurden mehrere koordinierte Maßnahmen umgesetzt.

Das US-Justizministerium erhob Anklage gegen die beiden festgenommenen Personen Ruslan Igorevich Tkachuk, 37, und Alexander Vladimirovich Ledenev, 25. Vorgeworfen werden ihnen je ein Fall der Verschwörung zur Geldwäsche von Geldinstrumenten sowie ein Fall der Geldwäsche im Rahmen einer Lockvogeloperation. Im Fall einer Verurteilung drohen beiden bis zu 20 Jahre Haft.

Nach Angaben des US-Justizministeriums gingen von den insgesamt rund 10.333 eingezahlten Bitcoin etwa 393,39 BTC, zum Zeitpunkt der Transaktionen rund 19.234.331 US-Dollar wert, direkt aus bekannten Darknet-Märkten, Ransomware-Organisationen, Cybercrime-Diensten und anderen illegalen Quellen ein. Weitere Gelder seien indirekt aus illegalen Quellen in AudiA6-Wallets eingezahlt worden.

Europol beschreibt AudiA6 als Krypto-Geldwäscheoperation im industriellen Maßstab. Das System habe auf Tausenden betrügerischen Konten bei Kryptobörsen basiert, die mit gestohlenen oder gekauften Identitäten eröffnet worden seien. Der Dienst werde mit mehr als 15 Ermittlungen weltweit in Verbindung gebracht, die Ransomware-Angriffe und groß angelegte Diebstähle von Kryptowährungen betreffen.

Vor der Zerschlagung wurde AudiA6 laut Europol als Krypto-Mixing-Dienst vermarktet, der Anonymität und Schnelligkeit versprach. Kunden hätten ihre illegal erzielten Erlöse an von der Gruppe kontrollierte Wallets übertragen und innerhalb einer Stunde „gereinigte“ Gelder zurückerhalten. Die Herkunft der Mittel sei durch eine „komplexe Kette von Transaktionen“ verschleiert worden. Die Kommunikation lief demnach über private Messaging-Plattformen, die Betreiber verlangten Provisionen zwischen 3 und 10 Prozent.

Im Zuge der Ermittlungen wurden laut Europol mehr als 6.000 Know-Your-Customer-Datensätze identifiziert, die mit Geldkurierkonten in Verbindung standen. Viele dieser Konten seien mit russischsprachigen Vermittlern verknüpft gewesen, die gezielt dafür angeworben worden seien, kriminelle Erlöse über Kryptobörsen zu bewegen. AudiA6 habe sowohl kommerzielle E-Mail-Anbieter als auch E-Mail-Adressen unter eigenen Domains genutzt, um solche Konten bei verschiedenen Kryptobörsen zu registrieren.

Frühere Recherchen hatten den Dienst bereits beleuchtet. Intel 471 berichtete im November 2021, dass AudiA6 ein Mindestguthaben von 27 Bitcoin verlangte und eine pauschale Servicegebühr zwischen 3 und 5,5 Prozent erhob. Eine Analyse von TRM Labs ergab zudem noch im Dezember 2025, dass Gelder aus dem LastPass-Hack von 2022 über Cryptex und AudiA6 geleitet wurden. Europol erklärte außerdem, Ransomware-Gruppen und Cybercrime-Netzwerke setzten zunehmend auf Chain-Hopping, dezentrale Börsen und „Mixer als Dienst“, um illegale Kryptowährungen binnen Minuten über mehrere Blockchains zu verschieben.