Der nun genehmigte Vergleich bleibt weit hinter der ursprünglichen Forderung der Kläger zurück. Diese hatten 48 Milliarden US-Dollar an Schadenersatz verlangt. Der Insolvenzverwalter kam jedoch zu dem Schluss, dass ein deutlich geringerer Betrag angemessen sei, nachdem das Bezirksgericht laut Gerichtsunterlagen einen vorinsolvenzlichen Vergleich über 30 Millionen Dollar als „angesichts der prekären Finanzlage des Unternehmens angemessen“ bewertet hatte.
Hinzu kam nach Darstellung in den Gerichtsunterlagen das Kostenrisiko eines größeren Verfahrens. Eine Auseinandersetzung um die höhere Summe würde die Insolvenzmasse einem langwierigen und risikoreichen Prozess über Monate oder sogar Jahre aussetzen, umfangreiche Beweisaufnahme erfordern und Millionenbeträge an Honoraren und Nebenkosten verschlingen. Diese Mittel ließen sich aus Sicht des Verwalters besser zugunsten der Anspruchsberechtigten und weiterer Beteiligter erhalten.
Laut Gerichtsunterlagen wurden fast 256.000 Ansprüche bearbeitet. Wie viel einzelne Betroffene erhalten, hängt von der Schwere des jeweils geltend gemachten Schadens ab. Für besonders gravierende Fälle sind Zahlungen von bis zu 10.000 Dollar vorgesehen, bei geringfügigen Beeinträchtigungen können es auch nur 50 Dollar sein.
23andMe hatte den Angriff im Oktober 2023 öffentlich gemacht. Das Unternehmen erklärte damals, der böswillige Akteur habe auf DNA-Relatives-Profile von etwa 5,5 Millionen Nutzern zugegriffen. Zudem seien Daten von weiteren 14,1 Millionen Kunden eingesehen worden, die das Produkt Family Tree genutzt hatten.
Nach den Gerichtsunterlagen begann der Datendiebstahl bereits im April 2023. Insgesamt sollen rund 7 Millionen Kunden betroffen gewesen sein, und viele ihrer Daten wurden im Darknet veröffentlicht. Schon vor dem Vorfall befand sich 23andMe dem Bericht zufolge in einer schlechten finanziellen Lage und hatte den Markt der Interessenten für seine DNA-Tests auf Speichelbasis für zu Hause offenbar weitgehend ausgeschöpft.
Im März 2025 meldete 23andMe, inzwischen unter dem Namen Chrome Holding Co., Insolvenz an und liquidierte den Großteil seiner Vermögenswerte. Firmengründerin Anne Wojcicki kaufte das Unternehmen später unter kontroversen Umständen zurück.
