Nach Erkenntnissen von Socket handelt es sich nicht um einzelne auffällige Erweiterungen, sondern um ein breiter angelegtes Netzwerk. Die 152 Add-ons verteilen sich auf 38 verschiedene Publisher-Konten im Chrome Web Store und greifen auf drei Marken-Backends zurück: tabplugins[.]com, yowgames[.]com und chromewallpaper[.]com. Insgesamt wurden sie demnach 105.000 Mal installiert.
Im Zentrum der Analyse steht der Umgang mit Nutzerdaten. Kush Pandya von Socket weist darauf hin, dass alle Einträge im Chrome Web Store angeben, keine Nutzerdaten zu sammeln oder zu verwenden. Die jeweils verlinkten Datenschutzrichtlinien würden jedoch das Gegenteil festhalten: Die Erweiterungen protokollierten IP-Adressen, den Internetanbieter, Klickzahlen und Referrer. Diese Daten würden zudem mit Google AdSense, DoubleClick und Werbepartnern von Drittanbietern geteilt.
Socket beschreibt außerdem einen Teilcluster der Erweiterungen, der in einer JavaScript-Datei mit dem Pfad „js/bg.js“ zwei fest einprogrammierte URLs enthält. Diese würden bei der Installation und Deinstallation aktiviert. Nach Einschätzung des Unternehmens dient das dazu, Signale für organische Suchtreffer künstlich zu erzeugen.
Socket erläutert das Vorgehen so: Der Besuch stamme nicht von einer Person, die über Google gesucht habe. Stattdessen öffne die Erweiterung selbstständig einen Tab und versehe ihn mit dem Merkmal, er sei aus einer organischen Google-Suche gekommen. Beim Deinstallationsvorgang gehe das System noch weiter: Das Ziel werde in genau das Format „google.com/url“ eingebettet, das Google für echte Klicks auf Suchergebnisse verwende, einschließlich signierter „ved“- und „usg“-Token. Dadurch wirke der Aufruf wie ein Klick eines Menschen auf ein Google-Suchergebnis.
Zusätzlich verfügen die JavaScript-Dateien laut Socket über eine derzeit ruhende Funktion. Beim Start eines Service Workers könne sie jede auffindbare IndexedDB-Datenbank aufzählen und löschen.
Die Forscher bewerten die Kampagne als „finanziell motivierte kommerzielle Adware- und Affiliate-Operation zum Betrug bei der Traffic-Zuordnung“. Die genaue Herkunft sei allerdings unbekannt. Verfügbare Indizien deuteten darauf hin, dass der Ursprung in der Türkei liegen könnte.
