Nach Angaben von Anthropic geht die US-Regierung davon aus, dass ihr eine Methode bekannt geworden sei, mit der sich Fable 5 umgehen oder „jailbreaken“ lasse. Das Unternehmen erklärte jedoch, die Regierung habe dafür nur mündliche Nachweise vorgelegt.

Anthropic habe den zugrunde liegenden Bericht, soweit nach eigener Einschätzung möglich, geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass die darin beschriebenen Schwachstellen geringfügig und bereits bekannt seien. Zudem seien sie auch mit anderen öffentlich verfügbaren Modellen reproduzierbar, darunter OpenAIs GPT-5.5.

Trotz der Umsetzung der Anordnung stellt Anthropic deren Grundlage offen infrage. Das Unternehmen erklärte, es halte den Befund eines eng begrenzten potenziellen Jailbreaks nicht für einen hinreichenden Anlass, ein kommerzielles Modell zurückzurufen, das bei Hunderten Millionen Menschen im Einsatz sei. Würde dieser Maßstab branchenweit angewandt, so Anthropic weiter, kämen aus seiner Sicht praktisch alle neuen Modellbereitstellungen aller Anbieter von Frontier-Modellen zum Stillstand.

Besonders brisant ist der Schritt auch wegen des politischen Kontexts. Die Anordnung wurde zwei Tage nachdem Anthropic-Chef Dario Amodei einen politischen Essay veröffentlicht hatte, erlassen. Darin forderte er, die Regierung solle eine gesetzliche Befugnis erhalten, unsichere KI-Einführungen zu stoppen.

Am Freitag betonte das Unternehmen, es unterstütze zwar grundsätzlich staatliche Eingriffsmöglichkeiten gegen unsichere KI-Bereitstellungen. Dies müsse jedoch über „ein gesetzliches Verfahren erfolgen, das transparent, fair, klar und auf technischen Fakten basiert“. Die aktuelle Maßnahme entspreche diesen Grundsätzen nach Ansicht von Anthropic nicht.

Die Entscheidung fällt zudem in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Anthropic und der Trump-Regierung. Im Februar hatte Verteidigungsminister Pete Hegseth Anthropic als „Risiko für die Lieferkette“ eingestuft. Eine solche Kennzeichnung war in der Vergangenheit unter anderem bei Unternehmen wie Huawei verwendet worden. Vorausgegangen waren gescheiterte Vertragsverhandlungen über eine militärische Nutzung von Claude.

Parallel dazu bereitet das Unternehmen nach einem Bericht der Financial Times einen Börsengang vor. In diesem Monat reichte Anthropic dafür Unterlagen ein; Investoren erwarten laut dem Bericht eine Bewertung von mehr als 1 Billion US-Dollar. Das Unternehmen erklärte, die eingereichte vertrauliche Registrierungserklärung verschaffe ihm die Möglichkeit, abhängig von Marktbedingungen und anderen Faktoren an die Börse zu gehen.

Gegenüber Kunden entschuldigte sich Anthropic für die Unterbrechung und erklärte: „Wir glauben, dass es sich um ein Missverständnis handelt, und arbeiten daran, den Zugang so schnell wie möglich wiederherzustellen.“