Die Maßnahme trifft eine der wichtigsten Aufnahmeprüfungen des Landes. Der NEET-UG gilt in Indien als zentrales Tor zum Medizinstudium und war bereits wiederholt von Vorwürfen über Leaks und Unregelmäßigkeiten begleitet. Auch bei der Prüfung 2024 führten ungewöhnlich hohe Ergebnisse zu Untersuchungen.

Nach Darstellung der National Testing Agency reagierten die Behörden auf konkrete Betrugsmuster auf Telegram. Demnach hatten Kriminelle die Bearbeitungsfunktion von Nachrichten ausgenutzt: Zunächst wurden vor der Prüfung falsche Fragen veröffentlicht, später ersetzten die Betreiber diese durch die echten Fragen. So sollte im Nachhinein der Eindruck entstehen, die Inhalte seien schon im Voraus verfügbar gewesen.

Die NTA erklärte, Indiens Cyberbehörden hätten eine „erhebliche Zahl“ von Telegram-Kanälen, Gruppen und Bots entfernt, die betrügerischen Zugang zu angeblich geleakten Prüfungsunterlagen bewarben. Angeboten wurde der Verkauf an Prüfungskandidaten und deren Familien für Summen von bis zu mehreren tausend Dollar. Zugleich betonte die Behörde, dass tatsächlich kein Prüfungsbogen geleakt worden sei.

Früher in diesem Monat nahm die Polizei in Ahmedabad Mitglieder eines Cyberbetrugsrings fest, denen vorgeworfen wird, acht Telegram-Kanäle nach demselben Muster betrieben zu haben. Ermittler zufolge bewegte die Gruppe rund 15 Millionen Rupien, umgerechnet etwa 159.000 US-Dollar, über betrügerische Bankkonten und kontaktierte innerhalb eines einzigen Monats etwa 1.000 Mobilfunknummern. Ähnliche Ermittlungen laufen laut dem Bericht auch in anderen Teilen Indiens.

Die Entscheidung, Telegram landesweit einzuschränken, ist nicht unumstritten. Die NTA räumte ein, dass die temporären Beschränkungen Millionen legitimer Telegram-Nutzer beeinträchtigen würden, verteidigte sie aber als notwendig, um die Integrität der Prüfung zu schützen.

Kritik kam von Digitalrechtsorganisationen. Die Internet Freedom Foundation bezeichnete die Einschränkung als „reaktive und wirkungslose“ Antwort, die gewöhnliche Nutzer bestrafe, ohne die Schwachstellen des Prüfungssystems selbst zu beheben. Nach Ansicht der Organisation nutzen viele Schüler in den letzten Tagen vor der Prüfung Telegram-Lerngruppen und Bildungsressourcen. Ein tatsächliches Leck von Prüfungsunterlagen würde nach ihrer Einschätzung eher von Insidern aus dem Druck- und Logistikprozess ausgehen als von der Nachrichtenplattform.

Die Gruppe erklärte weiter: „Wenn die Prüfung sicher ist und kein Leak existiert, dann wird hier ein Gerücht unterdrückt, und ein Gerücht kann die Schließung einer Plattform nicht rechtfertigen, wenn gezielte Sperrungen und strafrechtliche Verfolgung weiterhin möglich sind.“ Telegram selbst hatte die Einschränkungen bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht öffentlich kommentiert.