Nach den Angaben von Liisa Pakosta setzt der estnische öffentliche Sektor bereits heute einen Mechanismus zur „E-Mail-Quarantäne“ ein, um verdächtige Nachrichten anhand verschiedener Risikokriterien auszusondern. Russische E-Mail-Domains kommen nun als weiteres Kriterium für diese automatische Quarantäne hinzu. Pakosta sagte, der gesamte öffentliche Sektor arbeite „hinter einem Cyberschutzschild“.

Die neue Regelung dürfte die Kommunikation mit Nutzern verlangsamen, die russische E-Mail-Anbieter verwenden. Die estnischen Behörden halten die zusätzlichen Kontrollen dennoch für notwendig. Sie verweisen auf einen starken Anstieg bösartiger E-Mails von russischen Servern seit 2022, die häufig zur Zustellung von Phishing-Nachrichten und Malware genutzt worden seien.

Pakosta rief zudem Einzelpersonen und Organisationen, die über .ru-Adressen mit estnischen Behörden kommunizieren, dazu auf, zu alternativen Anbietern zu wechseln, die nicht von russischen Behörden kontrolliert werden.

Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der Tallinn seine Abwehr gegen russische hybride Bedrohungen weiter ausbaut. Estland gilt seit Russlands Invasion in die Ukraine 2022 als einer der entschlossensten Unterstützer der Ukraine und ist seit Langem Ziel von Cyberoperationen, Spionage und Desinformationskampagnen mit Verbindung zum Kreml.

Im vergangenen Monat bestellte Estlands Außenministerium einen russischen Diplomaten ein. Anlass war nach Darstellung des Ministeriums eine Desinformationskampagne gegen die baltischen Staaten. Zu Beginn dieses Jahres meldete der estnische Inlandsgeheimdienst KAPO eine Rekordzahl festgenommener russischer Spione im Jahr 2025 und warnte, dass Sabotage, Spionage und Informationsoperationen in Moskaus Aktivitäten gegen das Land eine immer größere Rolle spielten.