Die Strategie gliedert sich in sechs Kernsäulen. Unter „Shape Adversary Behavior" kündigt die Regierung an, ein „echtes Risiko für Gegner zu schaffen, die uns schaden wollen", und denjenigen Konsequenzen aufzuerlegen, die tatsächlich gegen die USA vorgehen. Die zweite Säule, „Promote Common Sense Regulation", warnt davor, Cyberabwehr auf eine „teure Checkliste" zu reduzieren, die Vorbereitung, Handeln und Reaktion verzögere.

Weiter sieht die Strategie vor, die Netzwerke der Bundesregierung zu modernisieren und abzusichern, indem wettbewerbliche Beschaffungsverfahren geschaffen und Markteintrittshürden abgebaut werden, damit der Staat die beste verfügbare Technik einkaufen kann. Beim Schutz kritischer Infrastruktur nennt das Papier ausdrücklich das Stromnetz, Finanz- und Telekommunikationssysteme, Rechenzentren, Wasserversorger und Krankenhäuser sowie die Absicherung von Lieferketten in der Informations- und Betriebstechnik.

Die fünfte Säule zielt auf die Vormachtstellung bei kritischen und neuen Technologien: Die Regierung will „agentische KI rasch übernehmen und fördern", um Netzwerkverteidigung und -störung sicher zu skalieren, und über Cyberdiplomatie dafür sorgen, dass insbesondere generative und agentische KI Innovation und globale Stabilität voranbringen. Die sechste Säule, „Build Talent and Capacity", soll Hindernisse beseitigen, die Industrie, Wissenschaft, Regierung und Militär daran hindern, Anreize anzugleichen und qualifiziertes Cyberpersonal aufzubauen.

Aus der Branche kamen erste Reaktionen. Michelle Farr, Global CISO bei NXP Semiconductors, hob auf LinkedIn die Abkehr von rein reaktiven Maßnahmen hin zu einer Verbindung von Sicherheit mit wirtschaftlicher Dominanz und freier Meinungsäußerung hervor. Wendi Whitmore, Chief Security Intelligence Officer bei Palo Alto Networks und früheres Mitglied des Cyber Safety Review Board, wertete die Strategie als Auftrag an die Privatwirtschaft, mit Tempo und Innovation voranzugehen. Daniel Kroese, Vice President of Global Policy & Government Affairs bei Palo Alto Networks, schrieb in einem Blogbeitrag, die Strategie biete die nötige strategische Klarheit, um die digitale Lebensweise vor hochentwickelten Gegnern zu schützen.

Kritisch fiel das Urteil zur Umsetzbarkeit aus. Emily Harding, Direktorin des Programms für Geheimdienst, nationale Sicherheit und Technologie am Center for Strategic and International Studies, nannte das Dokument „eher eine Absichtserklärung als eine klassische Strategie": Die Absicht sei stark, doch die Ressourcen darauf abzustimmen, sei der schwierige Teil.

Die neue Strategie und die jüngste Executive Order knüpfen an frühere Schritte der Regierung an. Im Juni 2025 unterzeichnete Trump eine Executive Order zur Stärkung der US-Cybersicherheit mit Fokus auf den Schutz kritischer Systeme vor ausländischen Cybergegnern. Im September 2025 veröffentlichte das Finanzministerium eine Mitteilung, die Finanzinstitute dabei unterstützen soll, finanziell motivierte Sextortion-Maschen zu erkennen und zu unterbinden.