Die indischen Behörden begründen die Beschränkungen mit dem Umgang rund um den National Eligibility cum Entrance Test for Undergraduate courses, kurz NEET-UG. Mehr als zwei Millionen Kandidaten müssen die Prüfung wiederholen, nachdem die ursprüngliche Fassung wegen Vorwürfen über geleakte Prüfungsfragen gestrichen worden war.
Konkret ordneten die Behörden an, den Zugriff auf Telegram landesweit bis nach dem Wiederholungstermin an diesem Wochenende einzuschränken. Zusätzlich muss die Plattform ihre Funktion zum Bearbeiten von Nachrichten bis Ende Juni abschalten. Nach Darstellung der Behörden sollen so weitere Täuschungsversuche verhindert werden.
Pavel Durov widersprach dieser Logik öffentlich. In seiner Stellungnahme sagte er, die Maßnahme bestrafe „150 Millionen gewöhnliche Telegram-Nutzer in Indien — nicht die Insider, die das Prüfungsmaterial weitergegeben haben“. Außerdem erklärte er: „Die Sperre hat nichts gestoppt. Die Lecks sind einfach auf andere Apps verlagert worden.“
Durov zufolge hatte Telegram bereits mit den indischen Behörden kooperiert und Hunderte Kanäle entfernt, die an der Verbreitung geleakter Prüfungsunterlagen und damit verbundener Betrugsmaschen beteiligt gewesen seien. Er fügte hinzu, dass die Plattform die Kennzeichnung „bearbeitet“ deutlicher hervorgehoben habe, um Versuche zu erschweren, Nachrichten nachträglich auf ein früheres Datum wirken zu lassen.
Indische Behörden hatten zuvor erklärt, Betrüger hätten die Bearbeitungsfunktion von Telegram ausgenutzt. Demnach seien vor der Prüfung gefälschte Fragen veröffentlicht und nach Abschluss des Tests durch die echten Fragen ersetzt worden, um den Eindruck zu erzeugen, die Unterlagen seien bereits im Vorfeld durchgesickert.
Nach Berichten indischer Rechtsmedien argumentiert Telegram in seiner Klage vor dem Gericht in Neu-Delhi, die Anordnung sei rechtswidrig und unverhältnismäßig. Das Unternehmen erklärte demnach, mehr als 900 Verweise mit illegalen NEET-bezogenen Inhalten entfernt zu haben. Zielgerichtete Löschungen einzelner Inhalte wären nach Auffassung von Telegram das mildere Mittel gewesen, statt die Plattform für Millionen Nutzer zu blockieren.
Darüber hinaus machte Telegram laut den zitierten Berichten geltend, die Anordnung treffe auch Studenten und Lehrkräfte, die den Dienst für legitime Zwecke nutzten. Außerdem habe das Unternehmen trotz Kooperation mit den Behörden keine Anhörung erhalten. Dass nur Telegram ins Visier genommen werde, während konkurrierende Plattformen unbehelligt blieben, verletze zudem verfassungsrechtliche Gleichheitsgarantien, so die Argumentation in der Eingabe.
Auch eine lokale Gruppe für digitale Rechte kritisierte die Telegram-Beschränkungen. Sie bezeichnete die Maßnahmen als „reaktiv und wirkungslos“. Auf eine Anfrage nach einer zusätzlichen Stellungnahme reagierte Telegram dem Bericht zufolge zunächst nicht.
