Nach Angaben der Europäischen Kommission können Teilnehmer der EU Cybersecurity Reserve im Krisenfall schnell Unterstützung anfordern. Der Reserve-Pool besteht aus privaten Cybersicherheitsunternehmen, die bei groß angelegten Cybervorfällen für Incident Response, technische Expertise und Wiederherstellung eingesetzt werden können. ENISA verwaltet das System.

Natalia Tkachuk sagte gegenüber Recorded Future News, die Ukraine könne künftig offiziell europäische Nothilfe anfordern, wenn ein Cyberangriff die Kapazitäten der eigenen Incident-Response-Teams übersteigt. Spezialisierte Experten aus der EU könnten dann digitale Forensik, Reaktion auf Sicherheitsvorfälle und Unterstützung bei der Wiederherstellung von Systemen leisten.

Tkachuk zufolge beschränkt sich die Hilfe nicht auf laufende Angriffe. Die Cybersecurity Reserve könne auch bei der Erholung nach einem Vorfall helfen, Systeme zur Stärkung der Abwehr modernisieren, Erkenntnisse über Cyberbedrohungen austauschen und die nationalen Fähigkeiten zur Reaktion auf Cybervorfälle verbessern.

Die Kooperation soll nach ihren Angaben keine Einbahnstraße sein. Tkachuk erklärte, die Ukraine sei nicht länger nur Empfänger von Cybersicherheitshilfe. Ukrainische Behörden teilten bereits Informationen über russische Hacking-Techniken mit europäischen Partnern und beteiligten sich gemeinsam mit Europol und anderen europäischen Behörden an Ermittlungen zu Cyberkriminalität sowie an Zuschreibungen von Angriffen.

Laut Tkachuk haben die jahrelangen Reaktionen auf russische Cyberangriffe die Cyberfähigkeiten der Ukraine gestärkt. Staat und Privatwirtschaft verfügten inzwischen über umfangreiche Erfahrung bei Erkennung, Eindämmung und Wiederherstellung nach groß angelegten Cybervorfällen. Außerdem hoffe die Ukraine, dass eigene Cybersicherheitsunternehmen künftig selbst als vertrauenswürdige Dienstleister im Rahmen des EU Cyber Solidarity Act Teil der Reserve werden können.

Für Brüssel ist die Entscheidung ein weiteres Zeichen der vertieften Sicherheitskooperation mit Kyjiw. Im vergangenen Jahr war Moldau das erste Nicht-EU-Land, das Zugang zur Cybersecurity Reserve erhielt; als Grund nannte der Bericht die wachsende Zahl von Cyberbedrohungen und Einflussoperationen mit Verbindung zu Moskau.

Zusätzliche politische Bedeutung erhält der Schritt durch die Annäherung der Ukraine an die EU. In der vergangenen Woche einigten sich die EU-Mitgliedstaaten darauf, formelle Beitrittsverhandlungen mit Kyjiw aufzunehmen. Die Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Henna Virkkunen, erklärte, mit der Aufnahme der Ukraine in die EU Cybersecurity Reserve stärke die Union ihre kollektive Abwehr und bekräftige das Solidaritätsprinzip im Zentrum von Europas digitaler Zukunft.

Seit der russischen Invasion im Jahr 2022 ist die EU zu einem der engsten Cybersicherheitspartner der Ukraine geworden. Dazu zählen bilaterale Sicherheitsabkommen und internationale Initiativen wie der Tallinn Mechanism.