Shield-6G ist als europäisches Forschungsprojekt angelegt, das die Cybersicherheit für 6G von Beginn an mitdenken soll. Laut Quelltext soll 6G weltweit etwa um 2030 ausgerollt werden. Das Projekt bringt 19 Organisationen zusammen und wird von der Europäischen Union finanziert.
Bart Siniarski von MBP Network Technology beschreibt 6G als deutlich komplexer als 5G. Seine Begründung: Die neue Generation werde mehr Geräte verwalten, stärker automatisiert sein und dadurch eine um Größenordnungen größere Angriffsfläche schaffen. Er formuliert 6G verkürzt als „5G mit KI obendrauf“.
Treiber dieser Entwicklung sind laut Siniarski vor allem das Internet der Dinge und industrielle IT. Er verweist auf eine große Zahl vernetzter Systeme, etwa Autos, die untereinander, mit Menschen und mit Straßeninfrastruktur kommunizieren, ebenso wie Smart Factories und Smart Homes. Hinzu komme die Erwartung mancher Regierungen und Branchen, dass in den 2030er-Jahren deutlich mehr verkörperte KI und weitere neue Rechenparadigmen zum Einsatz kommen.
Entsprechend geht es bei 6G laut Quelltext nicht primär um schnelleres oder höher aufgelöstes Streaming. Im Vordergrund stehen die Verwaltung einer Welle neuer vernetzter Geräte, ihre vielfältigen Verbindungen untereinander, die Rechenlast einer breiten KI-Nutzung sowie Anforderungen neuer Technologien wie ferngesteuerte Operationen, die extrem niedrige Latenz sowie null Datenverlust oder -korruption verlangen. Deshalb werde 6G nicht nur auf höhere Kapazität und geringere Latenz ausgelegt, sondern grundsätzlich KI-zentriert konzipiert.
Shield-6G setzt dabei teilweise auf klassische Sicherheitsmaßnahmen. Genannt wird unter anderem ein umfangreicher Einsatz von Honeypots, um Angreifer anzulocken und zu untersuchen. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf Sicherheitsfragen rund um KI, darunter KI-gestützte Erkennung und Reaktion auf Bedrohungen sowie das Testen von KI-Sicherheitskontrollen in Digital-Twin-Umgebungen.
Ein zentrales Problem sieht Siniarski in der starken Fragmentierung von Mobilfunknetzen und ihren Sicherheitssystemen. Wenn ein Bild vom Smartphone versendet werde, durchlaufe es mehrere Basisstationen, Server, Datenbanken und möglicherweise Software von Drittanbietern. Genau das sei problematisch, weil Daten an jeder dieser Stationen abfließen könnten. Shield-6G wolle deshalb ein vollständigeres Bild darüber schaffen, wie Daten durch das Netz von A nach B wandern, statt nur eng abgegrenzte Teilbereiche zu überwachen.
Neben einer einheitlicheren Sicherheitslage über viele Beteiligte hinweg verfolgt das Projekt laut Quelltext auch Datenschutz in der Datenverarbeitung. Siniarski verweist auf das Problem, dass KI-Modelle traditionell Daten aus vielen Quellen unterschiedslos sammeln und zum Training verwenden. Für sensible Daten in 6G-Szenarien setzt Shield-6G deshalb auf föderiertes Lernen. Dabei trainieren verschiedene Parteien ihre jeweiligen Datenteile isoliert voneinander und fügen die Ergebnisse zu einem gemeinsamen Modell zusammen, ohne die zugrunde liegenden Daten gegenseitig offenzulegen. Siniarski bezeichnet diesen Ansatz als Herzstück von Shield-6G.
Ein weiterer Schwerpunkt ist erklärbare KI. Wenn ein System eine Verbindung als Sicherheitsbedrohung oder potenziellen Angriff markiert, soll nachvollziehbar sein, warum das Modell diese Entscheidung getroffen hat. Siniarski nennt als Beispiele harmlose Nutzungsspitzen einer Website oder eine ungewöhnliche Zahl von Verbindungen, die nicht bösartig sein müssen. Sicherheitsentscheidungen müssten deshalb für Menschen verständlich bleiben. Nach seinen Angaben setzt sich das Projekt dafür ein, Menschen in die Entscheidungsprozesse einzubinden.
