Edwards schrieb auf LinkedIn, er habe von Beginn der Untersuchung an akzeptiert, dass es Vorfälle gegeben habe, bei denen er ein schlechtes Urteilsvermögen an den Tag gelegt und unpassende Versuche von Humor unternommen habe, die beleidigend wirkten. Deshalb habe er entschieden, dass ein Rücktritt aus seiner Position angemessen sei. Gleichzeitig kritisierte er das Verfahren und erklärte, er teile nicht die Art und Weise, wie die Untersuchung durchgeführt worden sei.

Bereits im Februar hatte sich Edwards freiwillig aus seinen Aufgaben zurückgezogen. Da das Amt des Information Commissioner eine gesetzlich verankerte Funktion ist, die direkt dem Parlament verantwortlich ist, hatte dieser Schritt unmittelbare Folgen für die Aufsicht. Seine gesetzlichen Zuständigkeiten waren damit vorübergehend ohne den vorgesehenen Amtsinhaber, was den Regulierer zu provisorischen Führungsregelungen zwang.

Diese Aufgaben übernahm sein Stellvertreter und Chief Executive Paul Arnold. Er wurde zudem vorläufig zum amtierenden Accounting Officer der Behörde bestimmt. Edwards hatte sich im Zuge der Untersuchung verpflichtet, jeden Kontakt zu Mitarbeitenden des ICO einzustellen und die Büros der Behörde nicht zu betreten.

Wie Politico berichtete, bezog Edwards während seines Rückzugs weiterhin sein Jahresgehalt von 200.000 Pfund, obwohl er nach Neuseeland zurückgekehrt war. Der aus Neuseeland stammende Jurist war dort von 2014 bis 2021 als Privacy Commissioner tätig, bevor er für die britische Rolle ernannt wurde. Das Amt in Großbritannien trat er im Januar 2022 an.

Da der Information Commissioner dem Parlament verantwortlich ist und nicht beim ICO angestellt ist, liegen die nächsten Schritte nun nicht bei der Behörde selbst. Dazu gehört auch die Suche nach einer Nachfolge, die vom Department for Science, Innovation and Technology (DSIT) bestimmt werden soll. Ein Regierungssprecher reagierte auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme zunächst nicht.

Der Abgang kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die britische Datenschutzaufsicht ohnehin vor einem Umbau steht. Künftig soll das bisherige Regulierungsmodell durch eine Information Commission ersetzt werden, auf die Funktionen, Personal und laufende Verfahren übergehen sollen. Edwards wäre in dieser Struktur Vorsitzender des Vorstands geworden. Nach Informationen aus dem Umfeld soll die Untersuchung gegen ihn dazu beigetragen haben, dass sich dieser Übergang verzögert.

Parallel dazu ist die Zahl der vom ICO eingeleiteten Regulierungsuntersuchungen deutlich gesunken. Laut den im Text genannten Daten fiel sie von mehr als 2.000 im Jahr 2019, dem ersten Jahr mit verfügbaren Zahlen, auf etwas mehr als 200 im Jahr 2025. Zudem sind mehr als 3.000 potenzielle Fälle noch nicht zugewiesen, darunter 133, die bereits aus dem Jahr 2023 stammen.