Im Zentrum des neuen INTERPOL-Berichts steht vor allem Phishing. Nach Angaben der Organisation ist es in Asien und im Südpazifik nicht nur die verbreitetste, sondern auch die finanziell folgenreichste Form der Cyberkriminalität. Für den Zeitraum von Januar 2024 bis März 2025 meldete ein Drittel der Länder der Region jeweils mehr als 10.000 Fälle.
Zugleich verweist INTERPOL auf eine insgesamt hohe Bedeutung digitaler Delikte im Kriminalitätsbild der Mitgliedstaaten. Mehr als die Hälfte der INTERPOL-Länder in der Region gab an, dass Cyberkriminalität für mindestens 30 Prozent aller national erfassten Straftaten verantwortlich war.
Neal Jetton, Direktor für Cyberkriminalität bei INTERPOL, erklärte, die Ergebnisse des Berichts zeigten eine sich rasch wandelnde Bedrohungslage in Asien und im Südpazifik. Cyberkriminelle setzten dort künstliche Intelligenz, Ransomware-as-a-Service-Modelle und ausgefeilte Social-Engineering-Techniken „im industriellen Maßstab“ ein. Mit der beschleunigten digitalen Verbreitung in der Region blieben eine engere operative Zusammenarbeit, Informationsaustausch und Cyberresilienz entscheidend, um Gemeinschaften und kritische Infrastruktur zu schützen.
INTERPOL beschreibt außerdem eine wachsende Professionalität der Täter. Diese Entwicklung habe zu einem Anstieg von Ransomware-Angriffen sowie zu Betrugsformen mit Deepfakes und künstlicher Intelligenz geführt. Dazu zählen Maschen, bei denen Führungskräfte von Unternehmen nachgeahmt werden, um betrügerische Transaktionen freizugeben.
Für 2024 schätzt die Organisation die Zahl der Ransomware-bezogenen Angriffe in der Region auf mehr als 135.000. Ein sehr großer Teil der Vorfälle traf laut Bericht die Immobilienbranche, die Fertigungsindustrie und Finanzdienstleister.
Ergänzt werde diese Entwicklung durch eine Industrialisierung internetgestützter Betrugsmodelle durch transnationale organisierte Kriminalität. INTERPOL nennt dabei Länder wie Kambodscha, Laos, Myanmar und die Philippinen. Dort hätten kriminelle Syndikate umfangreiche Betrugszentren aufgebaut und setzten Zwangsarbeit ein, um Anlagebetrug zu betreiben. Die Täter gingen demnach auf Menschen weltweit zu, nachdem sie zuvor freundschaftliche oder romantische Beziehungen aufgebaut hatten.
Zu Myanmar, Kambodscha und Laos sagt INTERPOL zudem, dass organisierte Kriminalität dort Deepfakes in sogenannten Liebesköder-Betrugsmaschen eingesetzt habe. Dabei würden KI-Personas mit Social Engineering kombiniert. Nach Angaben der Organisation trug das zu regionalen Verlusten durch Cyberkriminalität in Höhe von 37 Milliarden US-Dollar bei.
Als Reaktion darauf verstärken Strafverfolgungsbehörden in der Region laut INTERPOL mit Unterstützung der Organisation ihre gemeinsamen Maßnahmen gegen Cyberkriminalität. Dazu gehörten koordinierte Einsätze gegen kriminelle Infrastruktur, gemeinsame Ermittlungen, spezialisierte Schulungsinitiativen und die Entwicklung von Strategien zur Verbesserung der Cyberresilienz.
