Usbliter8 kombiniert laut Paradigm Shift einen Fehler im USB-Controller mit einer Schwäche in der Firmware-Konfiguration des Geräts. Der Angriff löst eine Schreiboperation außerhalb der vorgesehenen Speichergrenzen aus. Dadurch können Angreifer kritische Daten im Speicher überschreiben, die Kontrolle über den Prozessor übernehmen, Rechte ausweiten und beliebigen Code mit vollständigen Systemrechten ausführen.

Besonders gravierend ist die Position des Angriffs in der Boot-Kette. Da SecureROM fest in die Hardware eingebrannt ist, greift der Exploit auf der niedrigsten Ebene des Systems an, noch bevor das Betriebssystem geladen wird. Nach Darstellung der Forscher werden dabei Apples Signaturprüfungen umgangen. So kann ein Angreifer unsignierte Firmware laden oder die Sicherheitsstufe des Geräts herabsetzen.

Direkten Zugriff auf Nutzerdaten ermöglicht Usbliter8 den Angaben zufolge jedoch nicht. Paradigm Shift betont, dass der Secure Enclave Processor, kurz SEP, durch den Exploit nicht unmittelbar kompromittiert wird. Dieser separate Sicherheitsprozessor schützt die Nutzerdaten. Zugleich erklärten die Forscher, dass Usbliter8 zwar den SEP selbst nicht treffe, aber „breitere Angriffsvektoren eröffnet, um die Secure Enclave zu kompromittieren“.

Ein Fernangriff ist mit Usbliter8 nicht möglich. Der Angreifer muss das Zielgerät per USB mit einer speziell vorbereiteten Hardware verbinden. Paradigm Shift nennt dafür etwa einen Raspberry Pi Pico 2 oder ein vergleichbares Mikrocontroller-Board. Diese Voraussetzung macht den Exploit laut dem Bericht unter anderem für Anbieter forensischer Werkzeuge interessant.

Die Auswirkungen vergleicht der Bericht mit Checkm8, dem 2019 bekannt gewordenen BootROM-Exploit, durch den eine ganze iPhone-Generation dauerhaft für Jailbreaks anfällig blieb. Auch bei Usbliter8 liegt das Grundproblem in der Hardware: Die betroffenen Chips wurden 2018 und 2019 veröffentlicht, und die von den Forschern beschriebene Schwachstelle lässt sich nicht per Software-Update beseitigen.

Paradigm Shift teilte mit, die Erkenntnisse vor der Veröffentlichung an Apple gemeldet zu haben. Eine öffentliche Reaktion des Unternehmens auf die Forschung gab es laut dem Bericht bislang nicht. Die Sicherheitsfirma hat den Proof of Concept für Usbliter8 bereits veröffentlicht. Zur Begründung schrieb Paradigm Shift, man wolle die realen Auswirkungen dieser Klasse von Hardware-Schwachstellen dokumentieren, zum besseren Verständnis moderner BootROM-Sicherheit beitragen und zeigen, dass auch neuere SecureROM-Generationen weiterhin anfällig für subtile Hardwarefehler seien.