Das Justizministerium machte keine Angaben dazu, um welchen Cloud-Dienst es sich handelte. Nach Behördenangaben diente das Konto als technische Backend-Infrastruktur für Tochtergesellschaften der Huione Group. Die US-Regierung bezeichnet die Beschlagnahme als weiteren Baustein, um die Strukturen eines Unternehmens zu stören, das sie mit cybergestützten Betrugs- und Geldwäscheaktivitäten in Verbindung bringt.

Die Vorwürfe reichen über klassische Betrugsschemata hinaus. Das Justizministerium erklärte, die mutmaßliche Operation habe Telegram-Kanäle umfasst, in denen illegale Produkte und Dienste besprochen wurden. Genannt werden dort der Verkauf gestohlener Kreditkarten- und Identitätsinformationen, Erträge aus malwaregestützten Diebstählen, die Vermittlung von Personen für Menschenhandelspläne sowie Unterstützung bei der Geldwäsche von Erlösen aus Liebes- und Anlagebetrug.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die USA die Huione Group vom eigenen Finanzsystem abgeschnitten. In der dazu erlassenen endgültigen Regel kam das Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) des US-Finanzministeriums zu dem Schluss, dass das Unternehmen illegale Gelder nicht nur aus Betrugsoperationen in Südostasien, sondern auch aus nordkoreanischen Cyber-Diebstählen gewaschen habe. FinCEN bezifferte die von der Huione Group gewaschenen illegalen Erlöse für den Zeitraum von August 2021 bis Januar 2025 auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar.

Auch in Kambodscha geriet das Umfeld des Unternehmens ins Visier der Behörden. Das dortige Vorgehen gegen die regionale Betrugsindustrie führte im vergangenen Jahr zur Festnahme von Li Xiong, dem früheren Leiter der Huione Group. Medienberichten zufolge wurde er nach China ausgeliefert, wo ihm Geldwäsche und Betrug vorgeworfen werden. Die Behörden beschuldigten ihn zudem, Mitglied des Chen-Xi-Kriminalsyndikats zu sein.

Im April verhängten die USA außerdem getrennt von der aktuellen Beschlagnahme Sanktionen gegen mehr als zwei Dutzend Personen wegen ihrer Beteiligung an Betrugsoperationen, darunter auch gegen einen kambodschanischen Senator. Ein hochrangiger FBI-Vertreter sagte damals, die Behörde arbeite mit Regierungen in Südostasien zusammen, um die grenzüberschreitend agierenden Banden hinter dieser Industrie zu bekämpfen.

Der am Dienstag bekanntgegebene Zugriff zeige „unsere Entschlossenheit, jede Komponente des illegalen Ökosystems zu stören und gemeinsam mit unseren Partnern weitere Schädigungen durch Betrug zu verhindern“, sagte Heith Janke, Assistant Director der Criminal Division des FBI.