Nach Angaben des US-Justizministeriums nutzten Tochtergesellschaften der HuiOne Group das beschlagnahmte Cloud-Konto als Teil ihrer technischen Infrastruktur. Die Behörde wirft ihnen vor, Personen und Organisationen beim Transfer von Erlösen aus Kryptowährungs-Anlagebetrug, Cyberbetrug und anderen kriminellen Aktivitäten unterstützt zu haben. Ziel sei es gewesen, diese Gelder über Kryptowährungs-Blockchains zu bewegen und anschließend unentdeckt in den legitimen Bankensektor einzuschleusen.
Das Konto hostete laut Ministerium Backend-Systeme für mehrere Firmen, darunter HuiOne Guarantee, auch unter dem Namen Haowang Guarantee bekannt. Diese betrieb einen illegalen Marktplatz auf Telegram, über den zwischen 2021 und 2025 Transaktionen in Milliardenhöhe abgewickelt worden sein sollen. Angeboten wurden dort nach Darstellung der Behörden unter anderem personenbezogene und finanzielle Daten, Geldwäschedienste, Webentwicklungsdienste für betrügerische Investment-Plattformen und Phishing-Webseiten sowie Software für Gesichtertausch, Stimmklonen und Deepfake-gestützte Täuschungen in Videoanrufen mit Opfern.
Hinzu kamen laut Justizministerium Treuhanddienste für Kriminelle, die über die Plattformen Geschäfte abwickelten, darunter auch Geldwäscher im Kryptobereich. HuiOne Guarantee habe damit die Bewegung erheblicher Geldsummen erleichtert, die aus Scam-Zentren in Südostasien gestohlen worden seien. Der stellvertretende Justizminister A. Tysen Duva erklärte, die HuiOne Group habe dieses Cloud-Konto als Teil eines technischen Rückgrats genutzt, das den Transfer, die Verschiebung und die Verschleierung von Milliardenbeträgen aus Betrug ermöglicht habe.
Eine Analyse von Elliptic aus dem Juli 2024 hatte bereits gezeigt, dass Händler auf HuiOne auch Tränengas, Elektroschlagstöcke und elektronische Fesseln an Betreiber von Scam-Anlagen vermarkteten. Diese sollten demnach eingesetzt werden, um Arbeitskräfte einzusperren und zu foltern. Elliptic zitierte Händler, die von der „Verhinderung von Ausbrechern“ und der Kontrolle „weggelaufener Hunde“ gesprochen hätten; Menschen in solchen Anlagen würden häufig als „Hunde“ oder „Hundetreiber“ bezeichnet.
Obwohl HuiOne im Mai 2025 das Ende seiner Geschäfte angekündigt hatte, ist das Ökosystem nach Einschätzung von Flare nicht verschwunden. Eine neue Analyse des Unternehmens ergab, dass inzwischen mehr als 30 Marktplätze die Lücke füllen, die HuiOne Guarantee hinterlassen habe. Die Betreiber bauten demnach eigene Messaging-Plattformen auf, um Sperren durch Telegram zu umgehen. Flare-Forscher Chris d’Eon sprach von einem ersten koordinierten Durchgreifen im Jahr 2025 gegen die finanziellen und physischen Ebenen dieses Ökosystems. Sichtbar seien Anpassungen wie neue Markenauftritte von Kanälen, umverteilte Geldflüsse auf Nachfolgemärkte und beschleunigte Arbeiten an alternativen Plattformen. Das Gesamtvolumen des Ökosystems sei dadurch jedoch nicht spürbar gesunken.
Parallel dazu stufte das Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) des US-Finanzministeriums H-Pay Service PLC als primäre Geldwäschebedrohung ein. Damit wolle die Behörde verhindern, dass die HuiOne Group ihre Abkopplung vom US-Finanzsystem umgeht. FinCEN hatte bereits im Mai 2025 auch die HuiOne Group selbst als „primäre Geldwäschebedrohung“ eingestuft.
Elliptic erklärte zudem, Händler hätten Geldwäschedienste, gestohlene persönliche Daten, Webseiten und weitere Waren und Dienstleistungen verkauft, die für sogenannte „Pig-Butchering“-Betrügereien und andere Online-Betrugsformen nötig seien. Bis HuiOne vom Netz genommen worden sei, habe die Plattform Kryptowerte-Transaktionen von mehr als 31 Milliarden US-Dollar erhalten. Nach Angaben von Elliptic war sie damit der größte jemals erfasste illegale Online-Marktplatz und mehr als 25-mal so groß wie Silk Road und AlphaBay zusammen.
Zusätzlich verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen die Führung der Prince Group, Investoren in Scam-Anlagen und Tarnfirmen. Die Maßnahme folgt etwas mehr als acht Monate nach der Einstufung der Prince Group als transnationale kriminelle Organisation wegen ihrer Rolle bei einem kriminellen Geflecht aus Scam-Anlagen, Betrug und Geldwäsche. Der Vorsitzende der Prince Group, Chen Zhi, wurde inzwischen festgenommen, nach China ausgeliefert und verlor seine kambodschanische Staatsbürgerschaft.
