Laut Europol richtete sich die zweiwöchige Operation gegen Infrastruktur von Gruppen, die SocGholish-, Amadey- und StealC-Malware verbreiten. Andere Täter hätten für die Nutzung dieser Werkzeuge bezahlt, um weitere Straftaten zu begehen. Die Behörden zerlegten demnach 326 Server und 142 Domains.

Microsoft bezeichnete die Maßnahme in einem Blogbeitrag als Angriff auf die „Fließbänder“ der Cyberkriminalität. Der Konzern erklärte, man nehme damit nicht nur einzelne Dienste ins Visier, sondern die Lieferkette von Cyberangriffen insgesamt. Gemeint seien koordinierte Werkzeuge, die Ransomware, Finanzbetrug und Störungen öffentlicher Dienste ermöglichen.

Bei StealC handelt es sich laut dem Microsoft-Beitrag um einen Infostealer, der Passwörter, Cookies und Sitzungstoken unauffällig abgreift und damit oft die Grundlage für weitere Einbrüche schafft. SocGholish und Amadey werden dagegen typischerweise als Dropper eingesetzt, also als Schadsoftware, die den Zugang zu Netzwerken für weiteren bösartigen Code ermöglicht.

Microsoft-Forscher nutzten nach Unternehmensangaben Künstliche Intelligenz, um festzustellen, dass Amadey und StealC von derselben Infrastruktur abhängen. Beide Werkzeuge würden häufig gemeinsam eingesetzt: Amadey vor allem für den ersten Einbruch, StealC für den Diebstahl von Passwörtern und anderen sensiblen Daten. Wenn beide gleichzeitig ausgeschaltet werden, sei die Wirkung entsprechend größer, so Microsoft.

Auch SocGholish spielte in der Aktion eine zentrale Rolle. Die Malware verschafft Angreifern Zugang zu Systemen, indem sie über kompromittierte Websites gefälschte Browser-Updates ausliefert. Europol erklärte, man habe 14.971 infizierte Websites gewöhnlicher Einzelhändler identifiziert, die mit dieser Variante kompromittiert waren.

Nach Angaben von Europol ist SocGholish mit Evil Corp. verbunden, einer russischen Cybercrime-Gruppe, die mit mehreren groß angelegten Geldwäsche- und Ransomware-Aktivitäten in Verbindung gebracht wird. Die aktuelle Operation sollte nach Darstellung der Beteiligten gerade solche mehrstufigen kriminellen Abläufe stören.

Microsoft verwies zudem auf die globale Reichweite der betroffenen Malware-Familien. Dem Blogbeitrag zufolge waren Amadey und StealC allein in den ersten beiden Maiwochen mit mehr als 140.000 infizierten Computern weltweit verknüpft. Bei der aktuellen Aktion wurden 18.000 Rechner von Opfern festgestellt.

Europol bezifferte die weiteren Ergebnisse auf rund 27 Millionen wiedererlangte gestohlene Zugangsdaten sowie Kryptowerte im Umfang von 41 Millionen Euro, die als Vermögenswerte kriminellen Ursprungs eingestuft wurden. Microsoft veröffentlichte am Mittwoch außerdem neue Forschungsergebnisse zu Amadey und StealC. Der Konzern betonte, man arbeite zwar seit Langem gegen Malware und Cyberkriminalität, die jetzt bekanntgegebene Größenordnung der Maßnahme sei jedoch ungewöhnlich.