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Internetsperre im Iran dauert sechsten Tag an – Menschenrechtsgruppen fordern Ende der digitalen Blockade

Internetsperre im Iran dauert sechsten Tag an – Menschenrechtsgruppen fordern Ende der digitalen Blockade
Zusammenfassung

Der Iran führt seit dem 28. Februar eine umfassende Internetabschaltung durch, die bereits sechs Tage andauert. Die Internetverbindungen sanken um 98%. Während Menschenrechtsgruppen die sofortige Wiederherstellung fordern, gewährt die iranische Regierung selektiv privilegierten Konten Zugang. Dies behindert Zivilisten beim Zugriff auf lebensrettende Informationen wie medizinische Hilfe und Luftschlag-Karten sowie beim Kontakt zu Angehörigen. Die internationale Gemeinschaft wird aufgefordert, technische Maßnahmen zur Gewährleistung des Internetzugangs in Konfliktzonen zu ergreifen.

Die iranische Internetsperre, die am 28. Februar nach Luftangriffen auf das Land begann, setzt sich unerbittlich fort. Überwachungsorganisationen wie NetBlocks, Cloudflare und Ioda dokumentieren eine landesweite Blockade, die den Internetverkehr um 98 Prozent einbrechen ließ.

NetBlocks-Direktor Alp Toker bestätigt die Fortdauer der Maßnahme und beobachtet eine bemerkenswerte Strategie: Die iranischen Behörden verteilen gezielt Whitelists an regierungstreue Konten, was erklärt, warum pro-regime Accounts weiterhin ungehindert posten können. Ein grundlegender Unterschied zur Internetsperre im Januar.

Auf alternativen Wegen wie das nationale Intranet gibt es zwar minimale Umgehungsmöglichkeiten, doch die Verbindungen sind langsam und unzuverlässig. Standardmäßige VPN-Protokolle funktionieren nicht mehr, da keine internationalen Verbindungen vorhanden sind. Auch Multi-Hop-Tunnel, früher beliebte Ausweichrouten, sind praktisch unerreichbar.

Toker beschreibt die Zensurmaßnahmen als beispiellos strickt – allerdings mit bewusst offenen Kanälen für Regierungsstimmen: “Zwar betrifft dies nur einen winzigen Bevölkerungsanteil, aber es reicht aus, damit zumindest ein Informationsfluss existiert.”

Unbestätigten Berichten zufolge sollen iranische Behörden Massensms mit Verhaftungsdrohungen für VPN- und Starlink-Nutzer versendet haben.

Menschenrechts-Watch-Experten fordern ein sofortiges Ende der Sperre. Der Sicherheitsforscher Tomiwa Ilori warnt: Während eines bewaffneten Konflikts blockiert dies den Zugang zu kritischen Informationen wie medizinischen Hilfsquellen oder Angriffskoordinaten. Familien können sich nicht erreichen, Menschen finden keine Lebensmittel oder Unterkunft. “Internetblockaden verursachen auch schwerwiegende psychische Belastungen, wenn Menschen ihre Liebsten nicht kontaktieren können.”

Die Organisation betont, dass militärische Operationen keine pauschalen Internetblockaden rechtfertigen. Der Iran nutzt diese Taktik routiniert: Nach Januar-Protesten folgte eine dreiwöchige Sperre, im Juni gab es bereits Blockaden nach israelischen Luftangriffen. Fünf Jahre lang wurden Protestbewegungen mit digitalen Blackouts unterdrückt.