Die mehreren Diensten zur Überwachung des Internetverkehrs zufolge begann der Ausfall am 28. Februar im Anschluss an landesweite Luftangriffe. NetBlocks, Cloudflare und Ioda verzeichneten übereinstimmend einen Rückgang des iranischen Internetverkehrs um 98 %.
Nach Angaben von NetBlocks-Direktor Alp Toker dauert die Sperre weiter an. Anders als beim Blackout im Januar verteilten die iranischen Behörden offenbar freigeschaltete Dienstkonten, die einzelnen Personen einen freieren Zugang gewähren – ein Grund dafür, dass regimetreue Konten weiterhin offen Beiträge veröffentlichen konnten. Über das National Information Network des Landes seien ausschließlich vorab genehmigte Websites erreichbar.
Umgehungsversuche bezeichnete Toker als langsam und unzuverlässig. “Übliche VPN-Protokolle funktionieren nicht, weil es keinen Weg nach außen gibt. Mehrfach-Tunnel, die in früheren Jahren verbreitet waren, sind nun ebenfalls weitgehend nicht mehr verfügbar, weil inzwischen auch die Rechenzentren vom internationalen Internet abgeschnitten sind”, sagte er. Die Zensurmaßnahmen seien streng, doch die Regierung bemühe sich gezielt, regimetreue Stimmen durch die Sperre dringen zu lassen. “Insgesamt ist das nur ein winziger Bruchteil der Bevölkerung, aber es genügt, damit ein dünner Strom an Informationen frei fließen kann”, fügte er hinzu.
Unbestätigten Berichten zufolge versandte die iranische Polizei zudem Massen-SMS, in denen mit Festnahme gedroht wird, falls jemand VPNs oder Starlink zur Verbindung mit dem Internet nutzt.
Am Freitag forderte Human Rights Watch die iranische Regierung auf, die Internetsperre sofort zu beenden. Tomiwa Ilori, leitender Forscher für Technologie und Menschenrechte bei der Organisation, erklärte, eine Einschränkung des Internetzugangs in Krisenzeiten versperre den Zugang zu lebenswichtigen Informationen – etwa dazu, wo medizinische Versorgung verfügbar ist oder wo Luftangriffe stattfinden. Menschen könnten ihre Angehörigen nicht erreichen und keine Hilfe für Nahrung und Unterkunft finden.
“Internetsperren können während des Konflikts auch zu schweren psychischen Schäden bei den Menschen beitragen, weil sie ihre Angehörigen nicht erreichen können”, sagte Ilori. Die internationale Gemeinschaft, einschließlich politischer Entscheidungsträger und Unternehmen, solle technische und regulatorische Maßnahmen prüfen, um Zivilisten in Konfliktsituationen den Internetzugang zu ermöglichen. Militärische Angriffe durch die USA und Israel rechtfertigten laut Human Rights Watch keine pauschalen Internetsperren im Land.
Die iranische Regierung hat das Internet wiederholt in Zeiten von Angriffen oder Krisen abgeschaltet, zuletzt während der Proteste im Januar und während israelischer Luftangriffe im vergangenen Juni. Der Blackout im Januar dauerte drei Wochen und fiel mit berichteten Massakern durch Sicherheitskräfte zusammen. Mehrere Protestbewegungen der vergangenen fünf Jahre wurden auch mithilfe von Internetsperren unterdrückt.
