Nach Darstellung von VK hat Apple seine wichtigsten Anwendungen aus dem App Store entfernt. Genannt werden VKontakte, das häufig als russisches Gegenstück zu Facebook beschrieben wird, außerdem VK Music, VK Messenger, VK Video, Odnoklassniki und Mail.ru-Dienste einschließlich der E-Mail-App.
Apple hat die Entscheidung nicht öffentlich im Detail erläutert. Gegenüber BBC News Russia erklärte das Unternehmen jedoch, die Entfernung sei zur Einhaltung von Sanktionsregelungen erforderlich gewesen. Zudem folge Apple den Gesetzen der Rechtsordnungen, in denen es tätig sei. Welche konkreten Sanktionen hier angewendet wurden, ließ das Unternehmen offen.
VK erklärte am Donnerstag, Apple habe die Anwendungen ohne vorherige Mitteilung oder Erklärung entfernt. Dadurch seien sie auf Apple-Geräten nicht mehr zum Download verfügbar und könnten auch nicht mehr aktualisiert werden. Der Konzern bezeichnete den Schritt als „unbegründet und inakzeptabel“ und argumentierte, VK selbst sei nie mit Sanktionen belegt worden; man habe Apple seit langem juristische Einschätzungen vorgelegt, die diese Position stützten.
Nach Angaben von VK hat die Entfernung praktische Folgen für Nutzer: Push-Benachrichtigungen für Nachrichten und andere wichtige Ereignisse könnten ausbleiben. Außerdem werde der Zugang zu verbreiteten Diensten für soziale Medien, Messenger, E-Mail, Video und Bildung eingeschränkt. Bereits installierte Apps sollen laut VK weiter funktionieren. Für Android verwies das Unternehmen auf alternative Bezugsquellen wie RuStore, Google Play, Huawei AppGallery, Samsung Store, Xiaomi Store und die offiziellen Websites von VK.
Aus Russland kam umgehend politische Kritik. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, der Schritt werfe die Frage auf, ob Apples Dienste noch verlässlich seien. Russische Behörden würden Apple zunächst kontaktieren, bevor über eine Reaktion entschieden werde.
Die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, bezeichnete die Entfernung als „einen Akt politischer Zensur“. Das russische Ministerium für digitale Entwicklung sprach von einer politisch motivierten Entscheidung und warf Apple vor, die gesellschaftlich wichtigen Funktionen der VK-Dienste zu ignorieren, darunter Notfallwarnungen. Andrej Swinzow, stellvertretender Vorsitzender des Informationsausschusses der Staatsduma, behauptete zudem, Apple wolle die Expansion russischer Technologieunternehmen in Märkte der ehemaligen Sowjetunion, des Nahen Ostens und Afrikas behindern.
VK gehört zu den größten Technologiekonzernen Russlands und betreibt neben dem führenden sozialen Netzwerk des Landes auch E-Mail-, Messenger-, Video-, Cloud- und Unternehmenssoftware-Dienste. 2021 benannte sich das Unternehmen von Mail.ru Group in VK um. Vorstandschef Wladimir Kirijenko ist der Sohn von Sergej Kirijenko, dem hochrangigen Kreml-Beamten für die innenpolitische Linie Russlands. Wladimir Kirijenko wurde nach dem großangelegten russischen Angriff auf die Ukraine von den USA, der Europäischen Union und Großbritannien sanktioniert.
Die aktuelle Entfernung folgt auf einen weiteren Schritt Apples in diesem Monat. Damals nahm das Unternehmen bereits Max aus dem App Store, eine staatlich unterstützte Messenger-Anwendung von VK, die Kommunikation mit Behördendiensten, digitaler Identifikation und Zahlungsfunktionen verbindet. Auch damals erklärte Apple, dies sei wegen Sanktionsvorgaben nötig, ohne die betroffenen Maßnahmen zu benennen.
Bereits im September 2022 hatte Apple VK-Apps aus dem App Store entfernt, nachdem Großbritannien Sanktionen gegen leitende VK-Manager verhängt hatte. Weniger als einen Monat später stellte Apple die Apps wieder her. Russische Behörden drängen Apple zudem seit längerem, auf in Russland verkauften Geräten Drittanbieter-App-Stores zuzulassen, insbesondere den von VK entwickelten RuStore. Nach Berichten russischer Medien entfernte Apple auf Anfrage der russischen Internetaufsicht Roskomnadsor außerdem VPN-Anwendungen aus dem russischen App Store.
