Üblicherweise wird die Aufsicht über diese geheimen Budgetposten von jemandem mit tiefgehender Erfahrung in der Nachrichtendienst-Community geführt. Eine der mit der Angelegenheit vertrauten Personen sagte, es sei zwar nicht grundsätzlich ungewöhnlich, dass sich der OMB-Direktor persönlich einschalte. Ungewöhnlich wäre es aber, wenn Vought die Aufgabe für den Rest der Amtszeit selbst behielte, weil dafür die nötige Bandbreite, Fachkenntnis und Zeit fehlten, während er zugleich den übrigen Bundeshaushalt verantwortet.

Nach Angaben der von Recorded Future News zitierten Gesprächspartner fällt der Personalwechsel mit mehreren Entwicklungen in der Geheimdienstlandschaft zusammen. So ernannte Donald Trump den Chef der staatlichen Hypothekenaufsicht, Bill Pulte, zum Direktor der nationalen Nachrichtendienste und gab ihm den Auftrag, dieses Amt zu verkleinern. Zudem verweisen die Quellen auf Voughts frühere Rolle als Architekt des umstrittenen konservativen Regierungsplans Project 2025.

Amaryllis Fox Kennedy war nach Widerstand republikanischer Senatoren gegen ihre Ernennung zur stellvertretenden CIA-Direktorin als eine von wenigen Program Associate Directors ins OMB gewechselt. Diese politische Ernennung brachte sie in die Führungsebene der Behörde. Später wurde sie außerdem zur Stellvertreterin der früheren Direktorin der nationalen Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, sowie zum Mitglied des President’s Intelligence Advisory Board ernannt.

Der Posten für den Geheimdiensthaushalt, der früher auch die nationale Verteidigung umfasste, arbeitet eng mit dem National Security Council zusammen. Die Funktion galt als so einflussreich, dass manche sie als eine Art „Schatten“-Nationaler Sicherheitsberater betrachteten. Selbst in der später beschnittenen Form machte sie Kennedy, eine frühere verdeckte CIA-Offizierin, zu dem, was in Geheimdienstkreisen mitunter als „Supernutzerin“ bezeichnet wird: mit weitreichender Aufsicht über praktisch jeden Bereich des nationalen Sicherheitsapparats, einschließlich der Kosten verdeckter CIA-Operationen weltweit.

Eine mögliche Erklärung dafür, dass Vought die Aufgabe selbst übernommen hat, sind die besonderen Sicherheitsfreigaben, die für diesen Posten nötig sind. Da Vought als Haushaltsdirektor ohnehin Zugang zu den am strengsten gehüteten Geheimnissen des Landes hat, könnte ihm das den Einstieg erleichtert haben. Eine Quelle verwies darauf, dass für die Aufsicht zahlreiche spezielle Geheimhaltungsfreigaben für abgeschottete Programme erforderlich seien, die sich nicht schnell beschaffen ließen. Hinzu komme ein Maß an Fachwissen, das nur schwer aufzubauen sei, sowie politisches Gespür, weil das Weiße Haus bei Geheimdienstbudgets vor allem bei den sensibelsten und politisch relevantesten Punkten eingreife.

Im OMB gibt es zudem einen Deputy Associate Director und einen Leiter der Intelligence Branch, also Positionen, die traditionell mit Karrierebeamten besetzt werden und aus denen heraus ein Aufstieg auf den nun von Vought ausgeübten Posten möglich wäre. Die aktuelle Regierung habe bei der Besetzung höherer Ämter jedoch häufig politische Loyalität stärker gewichtet als bürokratische Expertise, hieß es.

Eine dritte Quelle vermutete, Vought habe die Geheimdienstfunktion wegen der Umstände von Kennedys Abgang zusätzlich übernommen. Zunächst war berichtet worden, sie sei wegen Trumps Konflikt mit Iran zurückgetreten. In einem späteren Interview erklärte sie jedoch, sie habe aus Sorge über den Einsatz von Steuergeldern durch die CIA gekündigt. Vought könne ähnliche Ansichten haben, so die Quelle.

Als weiterer möglicher Grund wurde die Arbeit der Nachrichtendienste an einem Quantencomputer genannt, der Kryptografie brechen könnte. Trump unterzeichnete in der vergangenen Woche zwei Executive Orders, die die Entwicklung von Quantentechnologie in den USA beschleunigen sollen, um ein solches System bis 2028 zu erreichen. Zugleich sollen Bundesbehörden bis 2031 auf fortgeschrittene quantenresistente Kryptografie umsteigen. Hinzu kommt ein staatliches Investitionsprogramm über 2 Milliarden US-Dollar für neun Quantenunternehmen. Nach Einschätzung der Quelle fließen bereits Milliarden in dieses Vorhaben; insgesamt könne die Umsetzung „Zehnmilliarden“ kosten.