Die operative Einheit innerhalb des National Coordination Center soll die Anstrengungen mehrerer Ministerien koordinieren – beteiligt sind das Außen-, das Finanz-, das Kriegs-, das Heimatschutz- und das Justizministerium. Laut Executive Order soll sie Mechanismen schaffen, um den Informationsaustausch, die operative Koordination und die schnelle Reaktion innerhalb der Bundesregierung zu verbessern. Bei Bedarf könne auch der Privatsektor einbezogen werden.
Die Einheit soll technische Fähigkeiten, Bedrohungsinformationen und operative Erkenntnisse kommerzieller Cybersicherheitsfirmen nutzen, um die Zuordnung, Verfolgung und Störung schädlicher Akteure und der dahinterstehenden Infrastruktur zu verbessern. In der Anordnung heißt es, Cyberkriminalität und Betrug raubten amerikanischen Familien ihre Ersparnisse und zerstörten Lebensentwürfe. In vielen Fällen, so das Weiße Haus, leisteten ausländische Regime aktive oder stillschweigende Unterstützung und schüfen so eine Schattenwirtschaft, die von gestohlenen Identitäten, Zwang, Zwangsarbeit und Menschenhandel angetrieben werde.
Neben Diebstählen durch Ransomware-Banden schätzt das FBI, dass internationale Betrugskomplexe jährlich rund 12,5 Milliarden US-Dollar von Amerikanern erbeuten – meist über vorgetäuschte Investitionen oder Liebesbeziehungen. Im Dezember hatte das Justizministerium die Scam Center Strike Force vorgestellt, die mit ausländischen Regierungen Operationen gegen Betrugszentren koordinieren soll, von denen viele in Südostasien liegen.
Gegen Staaten, die eine Zusammenarbeit verweigern, sieht die Executive Order mehrere Maßnahmen vor: die Begrenzung von Auslandshilfe, gezielte Sanktionen, Visabeschränkungen, Handelsstrafen und gegebenenfalls die sofortige Ausweisung beteiligter ausländischer Amtsträger und Diplomaten. Das Außenministerium soll zudem von ausländischen Regierungen Maßnahmen gegen kriminelle Organisationen auf ihrem Territorium einfordern.
National Cyber Director Sean Cairncross erklärte bei einer Veranstaltung, die Anordnung sei bewusst zusammen mit der National Cyber Strategy veröffentlicht worden, weil das Weiße Haus einen regierungsweiten Ansatz anstrebe. Es gehe nicht allein um Cyber, sondern auch um Diplomatie; das Justizministerium solle Festnahmen und Auslieferungen verstärken. Präsident Trump habe klargemacht, dass er Ergebnisse erwarte.
Nicole Tisdale, frühere Direktorin im National Security Council des Weißen Hauses, sagte gegenüber Recorded Future News, die Anordnung signalisiere, dass Behörden ihre eigenen Zuständigkeiten nicht zur Obergrenze gemeinsamer Anstrengungen machen sollten. Cyberkriminalität halte sich nicht an Zuständigkeitsgrenzen, die Reaktionsrahmen aber oft schon. Die angedrohten Konsequenzen für Staaten, die solchen Organisationen Unterschlupf gewähren, bezeichnete sie als bedeutsame Eskalation.
Tisdale lobte zudem den Victim Restoration Fund und verwies darauf, dass die Regierung Milliarden von kriminellen Netzwerken beschlagnahmt habe, ohne dass klar gewesen sei, wohin diese Gelder fließen. Kürzlich seien mehr als zwei Millionen US-Dollar von ägyptischen Betrügern eingezogen worden; im Vorjahr habe das Justizministerium Bitcoin im Wert von rund 15 Milliarden US-Dollar von Konten beschlagnahmt, die mutmaßlich mit dem Vorsitzenden eines prominenten kambodschanischen Konglomerats in Verbindung stehen, dem ein weitverzweigtes Betrugsimperium vorgeworfen wird.
