In einem Strafzumessungsschriftsatz beschrieben Bundesstaatsanwälte Martino als einen „Doppelagenten, der darauf hinarbeitete, den Schaden für seine Kunden und den finanziellen Gewinn für Cyberkriminelle zu maximieren, die ihn mit einem Teil des Lösegelds bezahlten“. Das US-Justizministerium erklärte, Martino habe im Auftrag von fünf verschiedenen Opfern verhandelt und dabei sensible Informationen an die BlackCat-Akteure weitergereicht.

Nach Darstellung der Ermittler umfassten diese Informationen unter anderem die Grenzen der Versicherungspolicen und interne Positionen der Opfer in den Verhandlungen. Dadurch konnten die Betreiber von BlackCat die geforderten Lösegeldsummen gezielt erhöhen. Der inzwischen eingestellte BlackCat-Betrieb nutzte diese Einblicke demnach, um die Verhandlungen zu seinem Vorteil zu steuern.

Der stellvertretende Justizminister A. Tysen Duva von der Strafabteilung des US-Justizministeriums sagte, die Opfer hätten „erschütternde Berichte“ geschildert, wie ihre Unternehmen beinahe zerstört worden seien, während ausgerechnet die Personen, die sie zur Hilfe engagiert hätten, sie an Ransomware-Banden verraten hätten.

Zusätzlich wird Martino vorgeworfen, zwischen April 2023 und November 2023 mit Ryan Goldberg, 41, aus Georgia, und Kevin Martin, 36, aus Texas, zusammengearbeitet zu haben, um BlackCat-Ransomware erfolgreich gegen mehrere Opfer in den USA einzusetzen. Martino und Martin arbeiteten bei DigitalMint, Goldberg war als Incident-Response-Manager beim Cybersicherheitsunternehmen Sygnia beschäftigt.

Goldberg und Martin wurden bereits im Mai 2026 zu jeweils vier Jahren Haft verurteilt. Zuvor hatten sie im vergangenen Dezember ihre Schuld eingeräumt. Der U.S. Attorney Jason A. Reding Quiñones für den südlichen Bezirk von Florida erklärte, Martino sei in einem Krisenmoment engagiert worden, um Opfern zu helfen, habe sie stattdessen jedoch verraten, ihre vertraulichen Verhandlungspositionen an Ransomware-Kriminelle weitergegeben und damit geholfen, mehr Geld aus ihnen herauszupressen.

Nach Angaben des Justizministeriums haben Strafverfolger bislang Vermögenswerte im Wert von 10 Millionen US-Dollar von Martino beschlagnahmt. Dazu zählen digitale Währungen, Fahrzeuge, ein Imbisswagen und ein luxuriöses Fischerboot, die er laut Behörde aus den illegalen Erlösen gekauft hatte. Martino soll am 17. September 2026 erneut vor Gericht erscheinen; dann soll die genaue Höhe der von ihm zu leistenden Entschädigung festgelegt werden.

Auch Brett Leatherman, stellvertretender Direktor der FBI Cyber Division, warf Martino vor, genau die Opfer verkauft zu haben, die er vertreten sollte. Er habe deren vertrauliche Verhandlungspositionen an BlackCat-Akteure weitergegeben, um die Lösegeldforderungen in die Höhe zu treiben und sich selbst zu bereichern.