Mit dem Urteil gegen Angelo Martino setzt sich eine Reihe von Strafverfahren gegen US-Cybersicherheitsexperten fort, die laut Behörden direkt mit einer Ransomware-Gruppe kooperierten. Martino aus Florida wurde zu 70 Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte sich im April schuldig bekannt.

Nach Angaben der US-Ermittler arbeitete Martino ab April 2023 mit den Betreibern von BlackCat/Alphv zusammen. Ihm wird vorgeworfen, der Gruppe geholfen zu haben, mindestens fünf Opfer zu erpressen. Das US-Justizministerium erklärte, BlackCat habe Martino dafür bezahlt, „vertrauliche Informationen über die Verhandlungsposition und Strategie der Kunden seines Arbeitgebers bereitzustellen und es den Ransomware-Akteuren zu ermöglichen, die von den Opfern gezahlten Lösegelder zu maximieren“.

Martino ist einer von drei Männern, die von US-Behörden im vergangenen Jahr wegen ihrer Rolle bei Ransomware-Angriffen angeklagt wurden. Alle drei waren bei Cybersicherheitsunternehmen beschäftigt. Zwei von ihnen arbeiteten als Ransomware-Verhandler und sollten eigentlich Betroffenen helfen. Nach Darstellung der Ermittler unterstützten sie stattdessen die Angreifer und erhielten im Gegenzug einen Anteil an den Lösegeldzahlungen.

Die beiden anderen Beschuldigten, Kevin Martin aus Texas und Ryan Goldberg aus Georgia, wurden Ende April jeweils zu vier Jahren Haft verurteilt.

Im Zuge des Verfahrens beschlagnahmten die Behörden Vermögenswerte im Wert von 10 Millionen US-Dollar von Martino. Dazu zählten Kryptowährungen, Fahrzeuge, ein Imbisswagen und ein Fischerboot. Zusätzlich muss Martino Schadenersatz leisten; die Höhe soll in einer für September angesetzten Anhörung festgelegt werden.

BlackCat beziehungsweise Alphv zählt nach den im Verfahren genannten Angaben zu den größeren Ransomware-Gruppen der vergangenen Jahre. Zwischen 2021 und Dezember 2023 wurden mehr als 1.000 Organisationen Ziel von Angriffen der Gruppe, bevor das kriminelle Netzwerk zerschlagen wurde. Einige Monate später erhielten die Hacker laut Quelltext von einem Opfer noch ein Lösegeld in Höhe von 22 Millionen US-Dollar und zogen anschließend einen Exit-Betrug durch.

Die USA setzen weiterhin eine Belohnung von 10 Millionen US-Dollar für Hinweise aus, die zur Identifizierung wichtiger Mitglieder der Gruppe führen.