Nach Angaben der National Crime Agency wurden die fünf Beschuldigten im Zusammenhang mit der Lieferung von Russian-Coms-Geräten und -Apps sowie mit Straftaten rund um Erlöse aus dem mutmaßlichen Verkauf dieser Geräte angeklagt. Die Behörde teilte am Montag mit, die Plattform habe Kriminellen ermöglicht, unter gefälschten Rufnummern aufzutreten, um Geld und persönliche Daten von Opfern zu stehlen.
Russian Coms tauchte erstmals 2020 auf und wurde seitdem mit finanziellen Verlusten in Höhe von mehreren zehn Millionen Pfund in Verbindung gebracht. Betroffen gewesen sein sollen schätzungsweise 170.000 Opfer. Als die NCA die Plattform im März 2024 abschaltete, erklärte sie, dass Hunderte Kriminelle für sechsmonatige Verträge zwischen 1.200 und 1.400 Pfund in Kryptowährung zahlten, um die wichtigsten Dienste des Angebots zu nutzen.
Bis zu seiner Abschaltung wurde Russian Coms laut NCA für mehr als 1,3 Millionen Anrufe an 500.000 eindeutige Telefonnummern in mehr als 107 Ländern eingesetzt, darunter das Vereinigte Königreich, die USA, Neuseeland, Norwegen und Frankreich. Der durchschnittliche Schaden lag demnach bei mehr als 9.400 Pfund. Im Titel der Meldung ist zudem von mehr als 1,8 Millionen Betrugsanrufen die Rede.
Beworben wurde die Plattform über Telegram, Snapchat und Instagram. Verfügbar war sie sowohl als Web-App als auch als Handgerät. Angeboten wurden verschlüsselte Anrufe, ein Webtelefon, eine Protokollfreiheit, internationale Anrufe, Stimmveränderung, sofortiges Löschen der Handgeräte und Unterstützung rund um die Uhr.
Die Betrüger nutzten Russian Coms laut NCA, um Rufnummern von Banken zu fälschen und so das Vertrauen der Zielpersonen zu gewinnen. Anschließend überredeten sie die Opfer, ihr Geld zum Schutz ihrer Ersparnisse auf von den Angreifern kontrollierte Konten zu überweisen. Als Vorwand diente die Behauptung, die Konten der Opfer seien in betrügerische Aktivitäten verwickelt.
Der Abschaltung der Plattform gingen Festnahmen von drei Männern in Newham in London voraus. Zwei von ihnen galten den Ermittlern zufolge als Administratoren und Entwickler von Russian Coms. Zum Zeitpunkt der Zerschlagung kündigten Strafverfolger im Vereinigten Königreich und internationale Partner mit Unterstützung von Europol weitere Maßnahmen gegen Personen an, die die Plattform für betrügerische Anrufe genutzt haben sollen.
Die Abschaltung von Russian Coms war Teil der breiter angelegten Operation Henhouse. Diese führte nach Angaben der Behörden zu 290 Festnahmen in England, Schottland, Wales und Nordirland.
