Nach Angaben der Financial Times erwägt Ursula von der Leyen, Kindern ab 13 Jahren nur schrittweise Zugang zu sozialen Medien zu ermöglichen. Voraussetzung wäre demnach, dass die Plattformen nachweisen, dass ihre Angebote altersgerecht und für Jugendliche sicher sind. Die Kommissionspräsidentin verknüpft den möglichen Zugang damit ausdrücklich mit Nachweisen der Anbieter.
In einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme sagte von der Leyen, letztlich entschieden zwar die Eltern, wann Kinder ihr erstes Smartphone bekommen. Zugleich gebe es aber bereits Einigkeit darüber, dass ein Startalter für die Nutzung sozialer Medien festgelegt werden müsse. Gegenüber der Financial Times konkretisierte sie diese Linie als EU-weite, harmonisierte Regelung für Kinder unter 13 Jahren ohne Aufsicht durch einen Erziehungsberechtigten.
Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Kritik aus den Mitgliedstaaten. Mehrere Regierungen drängen laut Bericht darauf, dass die Gesetzgeber schnell handeln, weil sie den derzeitigen Zustand als erhebliche Gefahr für die Sicherheit von Kindern betrachten. Frankreich, Spanien und Griechenland haben demnach bereits eigene Verbote eingeführt oder arbeiten mit ihren Parlamenten an einer schnellen Umsetzung.
Von der Leyen begründete ihre Haltung auch mit den Auswirkungen digitaler Plattformen auf Kinder. „Der derzeitige Zustand, eine Welt, in der wir Big Tech weiterhin ungehinderten Zugang zu unseren Kindern erlauben, wird nur dazu führen, dass eine weitere Generation mehr psychische Schäden, Abhängigkeit und Leid erfährt“, sagte sie. Europäische Kinder verbrächten heute im Durchschnitt vier bis sechs Stunden täglich vor einem Bildschirm.
„Sechs Stunden jeden Tag – das summiert sich auf zwanzig Jahre ihres Lebens“, sagte sie weiter. Zudem forderte von der Leyen die Entwickler von Plattformen auf, nachzuweisen, dass ihre Dienste keinen Schaden verursachen. Zur Einordnung zog sie einen Vergleich mit der Autoindustrie: Die Gesellschaft erwarte auch von Autoherstellern, dass sie Sicherheitsgurte und Airbags bereitstellen.
Aus ihrer Sicht sind daher altersgerechte Beschränkungen für Plattformen notwendig. „Es ist klar, dass wir altersgerechte Beschränkungen für Plattformen brauchen“, sagte sie. „Denn die Kindheit wartet nicht. Und wenn sie einmal vorbei ist, können wir sie nicht zurückgeben.“
Offen bleibt laut Bericht, ob die Marke von 13 Jahren die Kritiker in den Mitgliedstaaten besänftigen wird. Dort streben Regierungen teils Verbote für Kinder bis einschließlich 15 Jahre an. Zwar verlangen die meisten Plattformen bereits heute, dass Nutzer älter als 12 Jahre sind. Ohne gesetzliche Verankerung seien diese Grenzen jedoch leicht zu umgehen gewesen.
