Betroffen waren in der vergangenen Woche Sobchaks Telegram-Kanäle Sobchak und Bloody Lady. Auf ihnen erschienen Beiträge mit angeblichen Auszügen aus ihrer privaten Korrespondenz. Ihr Nachrichtenkanal Ostorozhno, Novosti teilte später mit, die Beiträge seien von Hackern veröffentlicht worden, die die Kanäle kompromittiert hätten.
Sobchak erklärte laut Meduza, der Zugriff sei über ihr E-Mail-Konto erfolgt. Zugleich wies sie die veröffentlichten Inhalte zurück: Die Bildschirmfotos ihrer Interaktionen seien gefälscht worden. Auf ihrem übernommenen Kanal seien sie veröffentlicht worden, „um jemandes Interessen zu dienen“.
Das Material war mit dem Wasserzeichen der Gruppe Black Mirror versehen. Die Hackergruppe erklärte auf ihrem Telegram-Kanal, sie habe mehr als 350 Gigabyte an Sobchaks Daten entwendet, die den Zeitraum von 2015 bis 2026 abdecken sollen. Dieses Archiv bietet Black Mirror nach eigenen Angaben zum Verkauf an. Zusätzlich veröffentlichte die Gruppe weiteres Material am 9. Juli, während der anonyme Telegram-Kanal VChK-OGPU nach eigener Darstellung Sprachnachrichten aus demselben Datenbestand veröffentlichte.
Nach Angaben der Angreifer umfasst Sobchaks Archiv Unterhaltungen zwischen ihr und hochrangigen russischen Beamten sowie mit Andrij Jermak, dem früheren Leiter des Präsidialamts der Ukraine. Ob das geleakte Material echt ist oder die Behauptungen der Hacker zutreffen, ließ sich nicht unabhängig verifizieren.
Black Mirror ist nach Angaben des Berichts seit mindestens 2019 aktiv und vermarktet demnach angeblich von Personen mit Verbindungen zum russischen Staat gestohlene Daten. Die Gruppe bot demnach bereits Archive an, die angeblich vom früheren russischen Verteidigungsminister Sergei Schoigu sowie vom inzwischen verstorbenen Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin stammen.
Sobchak gilt als umstrittene Figur des russischen öffentlichen Lebens. Sie ist die Tochter des früheren Bürgermeisters von Sankt Petersburg, Anatoli Sobchak, der Präsident Wladimir Putins politischer Mentor war und russischen Medien zufolge als enger Freund der Familie galt. 2018 trat Sobchak gegen Putin bei der Präsidentschaftswahl an. Kritiker sahen ihre Kandidatur jedoch als Teil eines Kreml-Musters, streng kontrollierte Oppositionskandidaten zuzulassen, um politischen Wettbewerb zu demonstrieren, ohne den Amtsinhaber zu gefährden.
Heute leitet Sobchak die Medienholding Ostorozhno Media, zu der ein YouTube-Kanal und mehrere Telegram-Nachrichtenkanäle mit Millionen Abonnenten gehören.
