In ihrer öffentlichen Warnung erklären AIVD und MIVD, dass mindestens ein russischer Nachrichtendienst Cyber-Spionage gegen internetzugängliche Kameras betreibt. Betroffen seien die Niederlande, weitere NATO- und EU-Mitgliedstaaten sowie die Ukraine. Im Mittelpunkt stünden Aufnahmen von militärischen Transportwegen und von Waffensendungen mit Ziel Ukraine.
Nach Darstellung der Dienste geht die Nutzung der kompromittierten Systeme in der Ukraine über reine Beobachtung hinaus. Dort seien gehackte Kameras in einigen Fällen eingesetzt worden, um ukrainische Militärangehörige zu identifizieren. Die dabei gewonnenen Informationen hätten anschließend Versuche unterstützt, Soldaten zu töten und Ausrüstung zu zerstören.
Auch in den Niederlanden haben die Behörden nach eigenen Angaben Spuren der Operation gefunden. Sie identifizierten eine kleine Zahl kompromittierter Kameras entlang militärischer Logistikrouten. In der Warnung vom 10. Juli heißt es, die Niederlande seien als wichtiges Transitland wegen ihrer geografischen Lage und ihrer Unterstützung für die Ukraine ein bedeutendes Spionageziel.
Technisch beschreiben AIVD und MIVD ein vergleichsweise pragmatisches Vorgehen: Die Angreifer scannen das Internet nach exponierten Geräten, identifizieren IP-Kameras anhand von Herstellerinformationen und nutzen schwache Sicherheitsvorkehrungen aus. Dazu zählen Standardpasswörter, veraltete Firmware und voreingestellte Standardkonfigurationen. Anschließend würden die Videoströme automatisiert mit Bilderkennungssoftware ausgewertet, um Militärfahrzeuge und deren Ladung zu erkennen.
Die niederländischen Dienste gehen davon aus, dass Russland die Kameras auch jenseits des Ukraine-Kriegs zur Sammlung militärisch relevanter Informationen innerhalb von NATO- und EU-Staaten nutzt. Zwar hätten sie nicht beobachtet, dass Moskau solche Informationen außerhalb der Ukraine zur Unterstützung militärischer Angriffe verwendet habe. Die Kampagne zeige jedoch Russlands Fähigkeit, operative Aufklärungsdaten zu sammeln, die in einem künftigen Konflikt genutzt werden könnten.
Laut der Warnung ist die Zahl russischer Cyber-Spionageoperationen zur Unterstützung militärischer Einsätze seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine kontinuierlich gestiegen. Moskau hat bösartige Cyberoperationen gegen westliche Staaten wiederholt bestritten.
AIVD und MIVD rufen Betreiber internetverbundener Kameras dazu auf, die Absicherung ihrer Systeme zu verbessern. Genannt werden das Ändern von Standard-Zugangsdaten, das zeitnahe Einspielen aktueller Firmware und die Überprüfung der Gerätekonfigurationen. Außerdem raten die Dienste dazu, das Herkunftsland der Kameras zu berücksichtigen. In der Warnung heißt es dazu, dass Länder wie China, Russland und Iran aktiv offensive Cyberprogramme gegen niederländische Interessen betreiben.
