Nach Angaben der spanischen Polizei kombinierte die Gruppe Anlagebetrug mit Business-E-Mail-Compromise-Angriffen und nutzte ein weit verzweigtes System zur Verschleierung der Geldflüsse. Die Behörden sprechen von einem Schema im industriellen Maßstab. Demnach verwalteten die Verdächtigen ein Netz aus mehr als 800 Bankkonten, auf denen große Summen aus Betrugstaten eingingen.
Wie die Polizei weiter mitteilte, wurden die Gelder anschließend umgehend über ein weiteres Geflecht von Konten verteilt und verborgen. So seien Transaktionsketten entstanden, die die kriminellen Erlöse dem Zugriff entzogen und es ermöglichten, die gestohlenen Summen über verfügbare Konten von Geldkurieren in Drittländern zu verstecken und zu waschen.
Die Ermittlungen bestätigten laut Polizei, dass 94 Millionen Euro durch das Netzwerk geschleust wurden. Weitere 61 Millionen Euro brachte die Untersuchung mit der Gruppe in Verbindung. Diese Summe ordnen die Ermittler ausdrücklich BEC-Operationen aus dem Jahr 2024 zu.
In ihrer Mitteilung bezeichnet die spanische Polizei die Vorgehensweise als „Chef-Betrug“ und „Betrug mit gefälschten Rechnungen“. Gemeint sind Social-Engineering-Taktiken, bei denen sich Täter als ranghohe Führungskräfte ausgeben und Zahlungen auf Bankkonten umleiten, die sie selbst kontrollieren.
Begonnen hatten die Ermittlungen, nachdem die Polizei Hinweise auf Geldwäsche in 19 mit dem Netzwerk verbundenen Firmen entdeckt hatte. Nachdem die Hauptverdächtigen identifiziert waren, wurde mit Unterstützung von Interpol und Europol ein internationaler Polizeieinsatz organisiert.
Im Rahmen der Operation durchsuchten die Behörden sechs Objekte in Barcelona, Girona und Tarragona sowie in der portugiesischen Stadt Porto. Zudem wurde ein weiterer Verdächtiger in Panama festgenommen. Die beiden außerhalb Spaniens festgenommenen Personen hatten das Land laut Polizei kürzlich verlassen, sollen die kriminellen Aktivitäten jedoch von ihren ausländischen Standorten aus weiter unterstützt haben.
Sichergestellt wurden nach Angaben der Ermittler 15 Computer und mehr als 170 Smartphones. Die Geräte sollen für die Ausführung von Tausenden betrügerischen Überweisungen genutzt worden sein. Außerdem froren die Behörden sofort 3 Millionen Euro aus mutmaßlichen Taterlösen ein. Dieses Geld soll den Opfern des Cyberkriminalitätsrings zur Verfügung gestellt werden.
Auf Grundlage der bisherigen Ermittlungen geht die spanische Polizei davon aus, dass das Geldwäschenetz nun wirksam zerschlagen wurde und alle Hauptakteure festgenommen sind.
