Nach Angaben der niederländischen Polizei war die mutmaßliche Betrugsorganisation international aufgestellt und über Jahre so organisiert, dass sie möglichst unentdeckt blieb. Beschäftigte nutzten falsche Namen, verschleierten ihre Standorte und setzten technische Hilfsmittel ein, um ihre Identitäten zu verbergen. Ermittler erklärten, die technische Expertise des Hauptverdächtigen habe wesentlich dazu beigetragen, dass das Netzwerk sich jahrelang den Strafverfolgern entziehen konnte.

Das Vorgehen war laut Polizei auf langfristige Täuschung angelegt. Opfer wurden zunächst dazu bewegt, vergleichsweise kleine Beträge auf scheinbar seriösen Plattformen für den Handel mit Kryptowährungen anzulegen. Diese ersten Einzahlungen schienen hohe Gewinne zu erzielen und sollten die Betroffenen dazu bringen, noch mehr Geld nachzuschießen. Nach Darstellung der Ermittler waren diese Gewinne jedoch vollständig erfunden: Das Geld wurde nie investiert, sondern floss direkt an die kriminelle Organisation, häufig über Zahlungen in Kryptowährungen.

Die Behörden beziffern die mutmaßlichen Einnahmen des Netzwerks auf mehr als 100 Millionen Euro pro Monat. Weltweit soll die Organisation Zehntausende Menschen betrogen haben. In den Niederlanden allein beläuft sich der geschätzte Schaden laut Polizei auf fast 25 Millionen Euro. Viele Betroffene hätten den Betrug erst erkannt, als Ermittler sie kontaktierten; in einigen Fällen habe das weitere Überweisungen verhindert.

Im Zentrum des Falls steht ein 46-Jähriger mit israelischer und polnischer Staatsangehörigkeit. Die niederländische Polizei nannte seinen Namen nicht und teilte lediglich mit, er sei „in der Cyberwelt kein Unbekannter“. Festgenommen wurde er im Mai an einem Flughafen in Polen, nachdem er aus Dubai eingereist war. Inzwischen wurde er an die Niederlande ausgeliefert, wo ein Richter Untersuchungshaft angeordnet hat.

Darüber hinaus nahmen die Behörden zwei niederländische Staatsangehörige und einen belgischen Staatsangehörigen mit Wohnsitz in Zypern fest, außerdem einen weiteren Verdächtigen in Belgien sowie einen niederländischen Staatsangehörigen in Griechenland. Nach Angaben der Polizei dauern die Ermittlungen an; weitere Festnahmen seien möglich.

Die Polizei veröffentlichte auch Aussagen von Betroffenen. Ein niederländisches Opfer, das nur als Alex bezeichnet wurde, schilderte: „Plötzlich brach jeder Kontakt ab. Da wurde mir klar, dass ich vollständig betrogen worden war. Ich war unglaublich wütend und hätte mich selbst ohrfeigen können. Ich dachte: Ich bin darauf hereingefallen. Das Leben, das ich mir vorgestellt hatte, brach zusammen.“ Weitere Opfer berichteten laut Quelltext von noch schwereren Folgen. Einer sagte lokalen Medien, er habe so viel Geld verloren, dass er seine Familie nicht mehr ernähren könne. Ein anderer erklärte, der Verlust seiner Ersparnisse fürs Leben habe ihn an Suizid denken lassen.