Im Zentrum von Wydens Kritik steht, dass der Lawful Access Act Anbieter verpflichten würde, Metadaten von Nutzern bis zu ein Jahr zu speichern. Als Beispiel nennt der Quelltext Standortverläufe. Darüber hinaus würde das Gesetz der kanadischen Regierung erlauben, Anbieter zum Einbau von Hintertüren oder zur Einrichtung von Tracking-Funktionen zu zwingen.

Zusätzlich sieht der Entwurf vor, dass elektronische Dienstleister ihre Systeme so anpassen müssen, dass sie Informationen bei Vorlage eines richterlichen Beschlusses leichter an Strafverfolgungsbehörden weitergeben können. Wyden schrieb, das Gesetz drohe, „amerikanische Technologieinfrastruktur zu instrumentalisieren, indem es der kanadischen Regierung ermöglicht, US-Unternehmen heimlich zur Überwachung von Amerikanern einzuspannen und gleichzeitig die Sicherheit ihrer Produkte systematisch zu untergraben“.

Der Senator fordert Blanche und Rubio auf, das Gesetz genauer zu bewerten. Es müsse geklärt werden, ob die kanadische Regierung dadurch Unternehmen wie Apple und Google unter Druck setzen könne, Daten herauszugeben. In seinem Schreiben argumentiert Wyden zudem, das US-Recht untersage es amerikanischen Unternehmen nicht ausdrücklich, ausländische Überwachung von US-Bürgern heimlich zu unterstützen — selbst dann nicht, wenn sich Maßnahmen gegen den Präsidenten oder andere hochrangige US-Regierungsvertreter richten würden.

Wörtlich bezeichnet Wyden das nicht als Konflikt zwischen widersprüchlichen internationalen Rechtspflichten für US-Unternehmen, sondern als „eklatante gesetzliche Leerstelle“. Deshalb regt er an, die aktuellen Verhandlungen über ein CLOUD-Act-Abkommen zwischen den USA und Kanada zu nutzen, um „eiserne, ausdrückliche Verbote gegen diese extraterritorialen technischen und vorausschauenden Entwicklungsvorgaben“ festzuschreiben.

Der Streit berührt auch frühere transatlantische Konflikte über staatliche Zugriffsrechte. Der Quelltext verweist auf einen Fall aus dem Vereinigten Königreich: Im Februar 2025 wurde bekannt, dass britische Stellen Apple heimlich dazu gedrängt hatten, verschlüsselte iCloud-Backups für Überwachungszwecke weniger sicher zu machen. Nach dem Bekanntwerden gab es heftige Reaktionen, und die britischen Behörden gaben den Plan sechs Monate später auf.

Auch aus den USA kam dazu bereits Kritik. Die frühere Direktorin der nationalen Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, sagte damals vor dem Kongress, ausländische Anforderungen, nach denen US-Unternehmen bei der Schaffung von Hintertüren helfen müssen, verletzten die Privatsphäre von Bürgern und erzeugten erhebliche Cyberrisiken.

Zweifel an dem kanadischen Vorhaben gibt es zudem innerhalb Kanadas. The Citizen Lab, ein in Toronto ansässiges Forschungsinstitut für digitale Freiheitsrechte, erklärte, dass Teile des Plans in Kanada wahrscheinlich verfassungswidrig seien.