Nach Angaben der US-Anklage sollen Zhuoying Chen und Haojie Zhang über fast zwei Jahre hinweg die Geldflüsse aus Anlagebetrugsdelikten organisiert haben. Die mutmaßliche Struktur umfasste laut Anklageschrift mehr als ein Dutzend Beteiligte in Queens und Brooklyn. Gewaschen worden seien die Erlöse über 140 Bankkonten, die auf rund 45 Scheinfirmen liefen, bevor das Geld nach China transferiert worden sei.

Die zugrunde liegenden Betrugsmaschen folgten laut den Ermittlern einem bekannten Muster: Täter kontaktierten potenzielle Opfer über soziale Medien oder Messaging-Dienste, bauten Vertrauen auf und überzeugten sie anschließend, in betrügerische Anlagemöglichkeiten zu investieren. Um weitere Einzahlungen zu erreichen, seien den Betroffenen gefälschte Profile mit scheinbaren Gewinnen gezeigt worden. Zusätzliche Investitionen seien danach ebenfalls entwendet worden.

John A. Condon, Executive Associate Director von U.S. Immigration and Customs Enforcement Homeland Security Investigations (HSI), erklärte, die beiden chinesischen Staatsangehörigen hätten mutmaßlich fast zwei Jahre lang ein ausgefeiltes illegales Netzwerk betrieben, das Gelder aus den Lebensersparnissen ahnungsloser Opfer gewaschen habe. A. Tysen Duva, stellvertretender Justizminister der Strafrechtsabteilung des Justizministeriums, sagte, die Angeklagten hätten laut Anklage Betrugserlöse gewaschen und damit ermöglicht, dass Betrüger weiterhin Amerikaner schädigen und ihnen ihr hart verdientes Geld entziehen konnten.

Sollten Chen und Zhang wegen Verschwörung zur Geldwäsche verurteilt werden, drohen ihnen jeweils bis zu 20 Jahre Haft.

Wie groß die Dimension von Anlagebetrug inzwischen ist, zeigt laut FBI der Internet Crime Report 2025. Demnach entfielen im vergangenen Jahr 49 Prozent aller betrugsbezogenen Vorfälle auf Anlagebetrug. Die gemeldeten Verluste beliefen sich auf 8,6 Milliarden US-Dollar, nach 6,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024.

Der aktuelle Fall reiht sich in weitere Verfahren ein. Im Februar wurde ein flüchtiger Verdächtiger im Zusammenhang mit einem internationalen Kryptowährungs-Anlagebetrug über 73 Millionen US-Dollar in Abwesenheit zu 20 Jahren Haft verurteilt. Der 42-jährige Daren Li war in diesem Verfahren laut Quelle der erste Angeklagte, der direkt an der Entgegennahme von Opfergeldern beteiligt war und verurteilt wurde; acht weitere Beteiligte hatten sich in demselben Fall bereits schuldig bekannt.

Im Dezember erhob das US-Justizministerium zudem Anklage gegen vier weitere Verdächtige wegen ihrer Beteiligung an einem anderen sogenannten Pig-Butchering-System, das mit Verlusten von mehr als 80 Millionen US-Dollar in Verbindung gebracht wird. Im November richteten US-Bundesbehörden außerdem die Scam Center Strike Force ein, eine neue Ermittlungsgruppe zur Zerschlagung von Netzwerken hinter Krypto-Betrug. Zuvor hatte das US-Justizministerium 15 Milliarden US-Dollar vom Anführer der Prince Group beschlagnahmt, einer großen kriminellen Organisation, die Amerikaner mit Kryptowährungs-Anlagebetrug ins Visier genommen haben soll.

Auch in Europa gingen Behörden seit Jahresbeginn gegen solche Strukturen vor. Nach Angaben der Quelle wurden dort zwei Anlagebetrugsringe zerschlagen, die weltweit für geschätzte Schäden von mehr als 150 Millionen Euro verantwortlich waren.