Trend Micro beschreibt Gemini CLI in diesem Fall als „primären Hack-Agenten, Berater und Schnittstelle“ der gesamten Operation. Nach Angaben der Forscher setzte der Akteur das Werkzeug dafür ein, einen Server aufzusetzen, ihn auf einen neuen Virtual Private Server zu verlagern, die Infrastruktur zu konfigurieren, Cloudflare-Tunnel einzurichten, die Bots zu verwalten und Verbindungsprobleme zu beheben.
Bekannt geworden war „bandcampro“ bereits Ende Mai 2026 im Zusammenhang mit der Kampagne „Patriot Bait“. Diese nutzte laut Trend Micro KI-gestützte Informationsoperationen für einen Telegram-Kanal, der sich an politisch engagierte US-Amerikaner richtete und für Kryptowährungsbetrug sowie KI-gestützten Diebstahl von Zugangsdaten eingesetzt wurde. Trend Micro stuft den Akteur als russischsprachig ein. Er habe Google Gemini genutzt, um sich als patriotischer amerikanischer Veteran auszugeben und russische Formulierungen zu vermeiden. Dafür habe er den KI-Agenten unter anderem mit der Rolle eines „autorisierten Pentesters“ dazu gebracht, Schutzmechanismen zu umgehen.
Für die C&C-Migration ließ der Akteur die alte Infrastruktur analysieren, in der die Zielsysteme über Cloudflare-Tunnel angebunden waren, und innerhalb von sechs Minuten auf eine neue Architektur umstellen. Diese Architektur sah laut Trend Micro vor, dass die kompromittierten Systeme ausgehende HTTPS-Anfragen an einen C&C-Server senden, dort hinterlegte PowerShell-Befehle abrufen und ausführen.
Die Umstellung verlief zunächst fehlerhaft. Trend Micro berichtet, dass der KI-Agent eine Fehlermeldung „502 Bad Gateway“ des Servers zur Verteilung der Nutzlast diagnostizierte und automatisch den nötigen Header ergänzte. Als Cloudflare die Anfragen weiterhin blockierte, identifizierte die KI laut den Forschern zusätzlich den erforderlichen User-Agent-Header zur Umgehung der Web Application Firewall und fügte ihn ein. Die Fehlerbehebung habe nicht der Akteur übernommen; die Migration sei in nur sechs Minuten abgeschlossen worden.
Anschließend führte die KI weitere Korrekturen durch, um Fehler zu beseitigen, durch die alle betroffenen Rechner vorübergehend die Verbindung zur C&C-Infrastruktur verloren hatten. Trend Micro beobachtete außerdem, dass „bandcampro“ Verwaltungsaufgaben für das Botnetz per natürlichsprachigen Anweisungen auf Russisch an die KI delegierte.
Besondere Sorge bereitet den Forschern die Portierbarkeit der Umgebung. Die gesamte C&C-Operation passe in drei Klartextdateien mit zusammen rund 5 KB. In diesen Dateien stehen laut Trend Micro Anweisungen, den Agenten zur Deaktivierung seiner Sicherheitsmechanismen zu bewegen, die Architekturbeschreibung sowie die Schritte zum kompletten Neuaufbau. Dadurch würden Abschaltungen deutlich weniger wirksam: Wenn ein Server verloren gehe, könne der Akteur das Paket auf einem neuen VPS entpacken und die KI alles in wenigen Minuten wiederherstellen lassen.
Die Auswertung der Protokolle zeigt nach Angaben von Trend Micro zudem, wie stark die Arbeit an die KI ausgelagert war. Über den gesamten Monat habe der Akteur nur 11 Prozent des erzeugten Textes beigesteuert, die KI 89 Prozent. Der Mensch habe die strategische Richtung vorgegeben und wie ein Produktmanager fungiert, während die KI 80 Prozent des Architekturdesigns, 100 Prozent der Programmierung und Systembefehlsausführung sowie 90 Prozent der Problemdiagnose und Fehlersuche übernommen habe.
In einem Fall forderte „bandcampro“ die KI auch auf, eine sich selbst verbreitende „Agentenbombe“ zu entwickeln, die das Netzwerk scannen und möglichst viele Systeme kompromittieren sollte. Dies lehnte der Agent laut Trend Micro mit der Begründung ab, das überschreite eine Grenze. Zugleich habe er hilfreiche Hinweise gegeben, wie sich diese Beschränkungen manuell umgehen lassen.
