Ausgangspunkt der Meldung ist CVE-2026-6875 in der ServiceNow AI Platform, früher als Now Platform bekannt. Dabei handelt es sich um eine Platform-as-a-Service für Unternehmen, die ServiceNow zufolge dazu dient, KI in zentrale Geschäftsabläufe zu integrieren. Nach Angaben von Searchlight Cyber, das die Schwachstelle entdeckt und am 1. April gemeldet hat, ermöglicht die Lücke in Angriffen mit hoher Komplexität eine nicht authentifizierte Remote-Code-Ausführung über einen Sandbox-Ausbruch.
ServiceNow reagierte nach eigenen Angaben bereits: Für gehostete Instanzen sei die Schwachstelle geschlossen worden, für selbst gehostete Umgebungen habe der Hersteller vor einer Woche, am 13. Juli, Sicherheitsupdates für CVE-2026-6875 bereitgestellt. Trotzdem haben Angreifer inzwischen offenbar begonnen, die Lücke praktisch auszunutzen.
Defused erklärte am Wochenende, die Ausnutzung der Schwachstelle im realen Angriffsgeschehen bestätigt zu haben. In einer am Samstag veröffentlichten Mitteilung schrieb das Unternehmen, man beobachte eine Ausnutzung der „Pre-Auth“-Sandbox-Escape-RCE in ServiceNow unter der Kennung CVE-2026-6875. Die ersten Versuche seien am Freitag registriert worden.
Nach Darstellung von Defused trafen die Schadlasten auf denselben nicht authentifizierten Einstiegspunkt, den Searchlight Cyber dokumentiert hatte: „/assessment_thanks.do“. Der für den Sandbox-Ausbruch verwendete Mechanismus erreiche jedoch dieselbe Möglichkeit zur Codeausführung auf einem anderen Weg als im von Searchlight Cyber veröffentlichten Proof of Concept.
Auffällig ist der Widerspruch zwischen dieser Beobachtung und dem Stand der offiziellen Herstellerkommunikation. ServiceNow hat die Schwachstelle bislang nicht als aktiv missbraucht gekennzeichnet. Im offiziellen Sicherheitshinweis heißt es weiterhin, dem Unternehmen sei derzeit keine Ausnutzung gegen ServiceNow-Instanzen bekannt. Gleichzeitig empfiehlt ServiceNow allen Kunden, die ihre Systeme noch nicht abgesichert haben, schnellstmöglich auf eine behobene Version zu aktualisieren.
Eine unmittelbare Stellungnahme von ServiceNow zu dem von Defused gemeldeten aktiven Missbrauch lag zunächst nicht vor. Ein Sprecher des Unternehmens war laut BleepingComputer kurzfristig nicht erreichbar, als das Medium um eine Bestätigung bat.
Bereits im vergangenen Monat hatte ServiceNow zudem einen Sicherheitsvorfall vertraulich offengelegt. Damals hatten Angreifer Daten aus Kundeninstanzen abgefragt, indem sie eine Schwachstelle für nicht authentifizierten Zugriff über einen verwundbaren API-Endpunkt ausnutzten. In einem späteren Hinweis ordnete ServiceNow diesen Vorfall jedoch Sicherheitsforschern oder von Kunden angestoßener Forschung im Zusammenhang mit Bug-Bounty-Einreichungen zu, nicht böswilligen Angreifern.
Zur Verbreitung der Plattform nennt ServiceNow selbst hohe Nutzungszahlen: Die AI Platform führe jährlich mehr als 100 Milliarden Workflows aus und unterstütze mehr als 100.000 KI-Unternehmensanwendungen bei 85 Prozent aller Fortune-500-Unternehmen.
