Polishchuk beschreibt Sicherheitsrisiken bei Großereignissen als Teil eines erweiterten Ökosystems. Gefahren beginnen demnach nicht erst am Veranstaltungsort. Ein kompromittiertes Hotelsystem kann offenlegen, wo Athleten, Führungskräfte oder Delegationen untergebracht sind. Ein Sicherheitsvorfall in Behörden- oder Ministeriumsnetzen kann Zeitpläne und Bewegungen sichtbar machen. Auch Fan-Zonen, thematische Begleitveranstaltungen oder Verkehrsknotenpunkte gehören aus ihrer Sicht zur äußeren Sicherheitszone, in der Menschenmengen schwerer zu kontrollieren sind und Angreifer eher Chancen sehen könnten.

Nach ihrer Erfahrung sind Sicherheitsprogramme für Veranstaltungen heute ausgereifter, besser ausgestattet und umfassender als früher. Dennoch warnt sie davor, physische Schutzmaßnahmen isoliert zu betrachten. Kameras, Taschenkontrollen und Perimeterschutz seien wichtig, müssten aber in eine Strategie eingebettet werden, die Risiken im gesamten Veranstaltungsumfeld frühzeitig erfasst.

In ihren Analysen habe sich immer wieder das gleiche Muster gezeigt, schreibt Polishchuk: Vorsätzlich geplante Bedrohungen hinterlassen häufig digitale Hinweise, bevor sie zu einem sichtbaren Vorfall werden. Solche Signale könnten sich bei praktisch jeder größeren Zusammenkunft zeigen, weil sich feindselige Aktivitäten oft an der Marke der Veranstaltung, ihrer Zielgruppe, den anwesenden Personen und der dadurch entstehenden digitalen Sichtbarkeit ausrichten.

Als konkreten Fall nennt sie den vereitelten Anschlagsplan auf Taylor-Swift-Konzerte in Wien im Jahr 2024. Die Warnzeichen hätten nicht erst am Veranstaltungsort oder am Tag des Konzerts begonnen. Behörden hätten eingreifen können, bevor die Auftritte stattfanden, nachdem nachrichtendienstliche Hinweise aus Quellen wie Telegram bekannt geworden waren. Der Fall zeige, dass Online-Aktivitäten Bedrohungen mit erheblichen physischen Folgen sichtbar machen können und digitale Aufklärung deshalb von Beginn an Teil der Sicherheitsplanung sein müsse.

Für die Vorbereitung auf ein Event müsse sowohl die physische Umgebung als auch die digitale Aktivität rund um die Veranstaltung betrachtet werden. Risiken in den Bereichen öffentliche Sicherheit, Reisen, Ticketing, Imitation, Datenoffenlegung und Cyberkriminalität wirkten auf dem Papier oft getrennt, seien in der Praxis aber häufig miteinander verknüpft und beeinflussten reale Sicherheitsentscheidungen.

Polishchuk nennt drei Schwerpunkte für ein praktikables Sicherheitsprogramm. Erstens: hochrangige oder besonders sichtbare Personen. Jüngste Vorfälle wie die Tötung des UnitedHealthcare-CEO Brian Thompson und die Ermordung von Charlie Kirk zeigten, dass öffentliche Gewalt nicht immer auf Menschenmengen ziele. Häufig konzentriere sich das Risiko auf eine bestimmte Person, deren Bekanntheit, Terminplan oder Bewegungen sie angreifbar machten.

Zweitens: Aktivitäten außerhalb des eigentlichen Sicherheitsperimeters. Selbst starke Schutzmaßnahmen am Veranstaltungsort reichten nicht aus, wenn sich Risiken in Hotels, auf Transportwegen, in Restaurants, bei Fan-Veranstaltungen oder an anderen öffentlichen Treffpunkten entwickelten. Ein Schusswaffenvorfall in der Nähe von SXSW, auch wenn er nicht mit der Veranstaltung selbst zusammenhing, illustriere aus ihrer Sicht genau diese Problematik.

Drittens: frühzeitige digitale Bedrohungsaufklärung. Investitionen dürften nicht an der physischen Sicherung enden. Teams bräuchten auch Mittel, um digitale Signale früh zu beobachten, technische Werkzeuge für die Priorisierung einzusetzen, Risiken durch Analysten prüfen zu lassen und bei einer nötigen Eskalation oder bei Takedowns schnell zu handeln.

Entscheidend sei dabei nicht, jedem einzelnen Signal hinterherzulaufen. Laut Polishchuk geht es darum, relevante Hinweise zu erkennen, ihre Zusammenhänge zu verstehen und Entscheidungen zu treffen, bevor der Druck einer akuten Krise entsteht. Dafür müssten physische Sicherheit, Cyber-Teams, Schutz für Führungskräfte, Kommunikation, Rechtsabteilung, Dienstleister, Veranstaltungsorte und Partner aus dem öffentlichen Sektor mit demselben Risikobild arbeiten.