Splunk-Feld-CISO Kirsty Paine verweist in einer aktuellen Kolumne auf eine spürbare Belastung im Berufsalltag vieler CISOs. Laut den zugrunde liegenden Splunk-Erhebungen haben 26 Prozent der Sicherheitsverantwortlichen in den vergangenen zwölf Monaten erwogen, ihren Posten aufzugeben. Als Ursachen nennt Splunk eine Mischung aus rechtlichen Risiken und der wachsenden Komplexität durch die rasche Verbreitung von KI.

Michael Fanning, CISO bei Splunk, sagte gegenüber Dark Reading, dass bestehende Sorgen über persönliche Haftung durch KI und die breitere Angriffsfläche noch verstärkt würden. Plötzlich hätten auch weniger qualifizierte Angreifer Zugriff auf neue Werkzeuge, mit denen sie erheblichen Schaden anrichten könnten. Zugleich entstünden neue Risiken, wenn Unternehmen KI intern einführten.

Schon in einer Umfrage im Juni gaben zwei Drittel der Sicherheitsfachleute an, dass ihre Arbeit heute komplexer sei als noch vor zwei Jahren. Genannt wurden überlastete Teams, der Umgang mit neuen Technologien wie KI und zusätzlich von Beschäftigten eingeführte Schatten-KI. Nach Einschätzung von Fanning ist kurzfristig kaum Entlastung zu erwarten: CISOs tragen mehr Verantwortung für KI-Governance, müssen strengere Vorgaben zur Offenlegung von Sicherheitsvorfällen erfüllen und sehen sich mit mangelnder Überwachung sowie fehlenden Best Practices für autonome Agenten konfrontiert.

Fanning betont, CISOs müssten verstehen, wie Agenten Werkzeuge aufrufen, wie sie sich authentifizieren und womit sie verbunden sind. Diese Themen seien zwar nicht neu, KI füge ihnen aber durch das hohe Einführungstempo eine zusätzliche Dimension hinzu. Auch TJ Marlin, CEO des KI-Sicherheitsanbieters Guardrail Technologies, beschreibt eine starke Verbreitung von KI im Unternehmensalltag. Beschäftigte entwickelten mit sogenanntem Vibe Coding Anwendungen und versuchten, KI im großen Maßstab in Geschäftsprozesse einzubinden. Teilweise werde dabei nicht einmal offengelegt, dass KI genutzt wird, was zu Schatten-KI führe.

Marlin sieht zudem eine große Lücke zwischen dem Umgang des Managements mit KI und der Sicht technischer Teams. Unternehmen wollten KI möglichst schnell produktiv einsetzen, während Sicherheit häufig als Hindernis wahrgenommen werde. Splunk kommt in seinen Umfragen zu einem ähnlichen Befund: 85 Prozent der CISOs nannten mangelndes Verständnis für Cybersicherheitsfragen in der Unternehmensführung als ihr größtes Hindernis. Fanning fordert deshalb eine gemeinsame Sprache, die technische Sachverhalte mithilfe von Daten und Geschäftskontext so übersetzt, dass die gesamte Führungsebene damit arbeiten kann.

Die Belastung zeigt sich auch in den Arbeitsabläufen der Sicherheitsteams. In einer Umfrage sagten 87 Prozent der Sicherheitsfachleute, dass KI die Arbeitslast ihrer Teams deutlich erhöhe. Als zentrale Problemfelder nennt Fanning Datenabflüsse, Schatten-KI und mangelnde Transparenz über die Aktivitäten von KI-Agenten. CISOs müssten daher mitentscheiden, wie und wann KI eingeführt werde, und sichere Best Practices mitgestalten.

Gleichzeitig beschreibt Splunk auch positive Effekte. Laut dem Bericht stimmen 92 Prozent der CISOs zu, dass sich mit KI mehr Sicherheitsereignisse prüfen lassen. 89 Prozent sehen Verbesserungen bei der Korrelation mehrerer Datenströme für Analysen. In einer weiteren Umfrage sagten neun von zehn SOC-Analysten, KI habe ihre Arbeitslast positiv beeinflusst.

Justin Bajko, Mitgründer und Chief Strategy Officer des Managed-Detection-and-Response-Anbieters Expel, rät CISOs deshalb, gemeinsam mit dem Vorstand ein Sicherheitsprogramm auf Grundlage solider Sicherheits- und Risikomanagementprinzipien aufzubauen. Ein CISO solle sein Programm so gestalten, dass es einer späteren Überprüfung standhalte – sei es durch Regulierer, Strafverfolgungsbehörden oder einen möglichen neuen Arbeitgeber.