Flock Safety beendet die Entwicklung beziehungsweise Vermarktung eines akustischen Erkennungssystems, das neben Schüssen auch Schreie und andere Formen „menschlicher Notlage“ erkennen sollte. Wie das Unternehmen am 10. Juli in einem Blogbeitrag erklärte, wird das Produkt entfernt. Als Grund nannte Flock eine „Beratung mit der Gemeinschaft“.
Nach Darstellung des Unternehmens war die Funktion nur in einem begrenzten Pilotversuch bei wenigen Kunden im Einsatz und wurde nie allgemein veröffentlicht. In dem Blogbeitrag schrieb Flock, die Funktion sei entwickelt worden, um mögliche gewaltsame Vorfälle in Bereichen zu identifizieren, in denen andere Instrumente der öffentlichen Sicherheit weniger effektiv seien.
Besonders stark war die Kritik an den Datenschutz- und Bürgerrechtsfolgen. Die Electronic Frontier Foundation hatte bereits im Oktober 2025 auf die Existenz des Produkts aufmerksam gemacht. In einem Blogbeitrag vom 17. Juli verwies EFF-Senior-Politikanalyst Matthew Guariglia auf Flocks Kurswechsel und bezeichnete das System als gefährlich – wegen der damit verbundenen Bedenken für Freiheitsrechte, wegen der Möglichkeit, dass bewaffnete Polizeikräfte zu jeder lauten Interaktion auf der Straße gerufen werden könnten, und weil eine solche Form der Überwachung an mehreren Orten nach Abhörgesetzen der Bundesstaaten illegal wäre.
Flock wies die Vorwürfe zurück, das System sei für eine massenhafte Erfassung von Stimmen gedacht gewesen. Nach Angaben des Unternehmens könne die Technik keine Sprache verstehen, keine Sprache analysieren und keine Stimmen identifizieren. Das gelte heute nicht und habe auch nie gegolten, schrieb Flock in dem Beitrag.
Das Unternehmen stand in diesem Monat auch aus einem weiteren Grund im Fokus. Das Los Angeles Police Department kündigte an, sich als jüngste in einer Reihe von Strafverfolgungsbehörden von der Überwachungsfirma zu trennen. Nach Angaben von Verantwortlichen verlangt die Behörde stärkere Schutzmaßnahmen dafür, wie die von Flock gesammelten Informationen verwaltet und gespeichert werden.
Die Entscheidung, Distress Detection nicht weiterzuverfolgen, markiert damit einen Rückzug bei einem Produkt, das schon kurz nach seinem Bekanntwerden erheblichen Widerstand ausgelöst hatte.
