Dennis Fisher bezeichnete Code Red in der Gesprächsrunde als einen der prägenden Vorfälle der Cybersicherheitsgeschichte. Der Wurm habe eine herausgehobene Stellung, unter anderem weil er zu den ersten großen internetweiten Würmern zählte. Zuvor habe es mit „I Love You“ und dem Anna-Kournikova-Wurm kleinere Beispiele gegeben, diese seien jedoch E-Mail-Würmer gewesen. Code Red sei dagegen ein Netzwerk-Wurm mit DDoS-Fähigkeiten gewesen und einer der ersten großen Fälle, die über die damalige, vergleichsweise kleine Sicherheitswelt hinaus Aufmerksamkeit erlangten.

Marc Maiffret schilderte die Entdeckung aus seiner Sicht. Er und Ryan Permeh hätten an einem Freitagabend nach der Arbeit E-Mails von zwei verschiedenen Kunden erhalten, deren Webserver sich auffällig verhalten hätten. Die Kunden hätten das Problem nicht genauer einordnen können. Bei der Analyse von Paketmitschnitten seien zunächst ausgehende Verbindungen aufgefallen, die ungewöhnlich wirkten. Das habe schließlich zu der Erkenntnis geführt, dass es sich nicht nur um die übliche Ausnutzung einer Schwachstelle handelte. Als Ryan Permeh den Schadcode zerlegt habe, sei klar geworden, dass hier etwas anderes vorlag.

Den Namen „Code Red“ habe man an das damals populäre Getränk angelehnt, sagte Maiffret. Er verwies außerdem darauf, dass ein Teil der Nutzlast eine Nachricht auf kompromittierten Websites hinterließ. Die Analyse sei anschließend auf Sicherheits-Mailinglisten veröffentlicht worden, ohne dass zunächst absehbar gewesen sei, welche Dynamik der Vorfall entwickeln würde. Danach, so Maiffret, sei die Lage schnell eskaliert.

Für James Maude liegt eine der wichtigsten Lehren aus Code Red in der mangelnden Sichtbarkeit von Standarddiensten. Der Wurm habe einen standardmäßig aktivierten Dienst ausgenutzt, von dem viele Organisationen womöglich nicht gewusst hätten, dass er lief, fehlerhaft konfiguriert war oder bereits ein Patch bereitstand. Auf die Frage nach einem heutigen Gegenstück zu dieser Sichtbarkeitslücke verwies Maiffret auf den aktuellen KI-Boom in Unternehmen.

Er sagte, er sehe genau dort die naheliegendste Parallele. Unternehmen stünden unter Druck, KI schnell einzuführen, weil sie sonst im Wettbewerb zurückfallen könnten. Diese Dynamik sei vergleichbar mit der Eile während des Internet-Booms. In diesem Tempo hinke die Sicherheit hinterher. Deshalb müsse KI-Sicherheit aus grundlegenden Prinzipien heraus gedacht werden. Eine erste Frage sei dieselbe wie schon zu Zeiten von Code Red: Wissen Unternehmen überhaupt, was sie im Einsatz haben?

BeyondTrust ordnet die damaligen Erfahrungen ausdrücklich als Grundlage moderner Sicherheitsdisziplinen ein. In der Ankündigung der Gesprächsrunde nennt das Unternehmen insbesondere Schwachstellenmanagement, Asset-Sichtbarkeit, Patchen und Security Operations. Für die Gegenwart hebt BeyondTrust Themen wie KI-Sicherheit, Schatten-KI, Angriffsflächenmanagement sowie die frühzeitige Identifizierung und Absicherung neuer Technologien hervor — bevor Angreifer sie ausnutzen.

Maiffret betonte zugleich, dass er KI grundsätzlich positiv sehe. Es werde zwar eine Phase von Unruhe und Chaos geben, während sich ein neuer Normalzustand herausbilde. Gerade deshalb seien Gespräche über wiederkehrende Muster wichtig. Der Blick zurück auf Code Red diene aus seiner Sicht nicht der Nostalgie, sondern dem Erkennen solcher Muster — und damit der Frage, wie Sicherheitsverantwortliche aktuelle Technologieverschiebungen besser einordnen können.