Nach Darstellung von Google DeepMind wurde Gemini 3.5 Flash Cyber gezielt für defensive Aufgaben entwickelt. Raluca Ada Popa, Sicherheitsleiterin für Gemini bei DeepMind, und Four Flynn, Vizepräsident für Sicherheit und Datenschutz bei DeepMind, erklärten in einem vorab mit The Hacker News geteilten Blogbeitrag, man habe wegen des Doppelnutzungscharakters der Technik bewusst entschieden, wie das Modell ausgerollt wird. Im Rahmen des Pilotprogramms werde 3.5 Flash Cyber exklusiv über CodeMender an Regierungen und vertrauenswürdige Partner gegeben; der Zugang solle im Lauf der Zeit ausgeweitet werden.

Laut Google soll dieser Ansatz Verteidigern an vorderster Front einen Vorsprung verschaffen, damit sie kritische Schwachstellen finden und schließen können, bevor sie ausgenutzt werden, und zugleich breiteren Missbrauch begrenzen. Ein Sprecher von Google DeepMind sagte The Hacker News zudem, es gebe Pläne, die Fähigkeiten des Modells um Red-Teaming-Funktionen und eine durchgängige Unternehmensverteidigung zu erweitern.

Der gleiche Sprecher erklärte, dass 3.5 Flash Cyber ausschließlich innerhalb von CodeMender läuft. Dadurch lasse sich der Einsatz mit Leitplanken versehen, die die Verteidigungsfunktionen des KI-Agenten ermöglichen und andere Cyber-Aktivitäten abschalten. Das solle auch Situationen vermeiden, in denen ein Modell Anfragen ablehnt, obwohl Verteidiger KI-gestützte forensische Analysen durchführen müssen.

Bei internen Auswertungen des Forschungslabors schnitt 3.5 Flash Cyber laut DeepMind bei der Suche nach neuen Schwachstellen in Codebasen besser ab als Gemini 3.5 Flash und 3.6 Flash. Zusätzliche Belastungstests an komplexen Projekten wie Google Chrome und Apple Safari hätten gezeigt, dass das Modell Gemini 3.5 Flash, 3.6 Flash und Anthropic Claude Opus 4.6 „deutlich“ übertroffen habe.

DeepMind bezifferte den Abstand auch konkret: Bei Tests am V8-JavaScript-Engine mit einer festen Anzahl von Aufrufen habe Gemini 3.5 Flash Cyber 55 einzigartige bestätigte Probleme gefunden. Gemini 3.5 Flash kam demnach auf 47, Opus 4.6 auf 36. Darunter seien 10 Probleme gewesen, die kein anderes Modell entdeckt habe. Insgesamt habe 3.5 Flash Cyber im Vergleich zu 3.5 Flash und Claude Opus 4.6 durchgängig mehr einzigartige Schwachstellen gefunden.

Wie schon bei Anthropic und OpenAI hat Google das Modell nach eigenen Angaben außerdem darauf getestet, Schwachstellen zur Remotecodeausführung in öffentlichen APIs sowie eine Speicherbeschädigungs-Schwachstelle in einem sensiblen Produktivdienst aufzudecken. Zudem soll das Modell einen vollständig zuverlässigen Exploit für Remotecodeausführung erzeugt haben, der gängige Schutzmaßnahmen wie Address Space Layout Randomization und Write XOR Execute umgeht.

Parallel dazu will Google grundlegende Funktionen von CodeMender auch direkt an Kunden bringen: über die Gemini Enterprise Agent Platform und allgemein verfügbare Gemini-Modelle. Mit der Kombination aus CodeMender und 3.5 Flash Cyber stelle man, so Google, eine leistungsfähige, skalierbare und bezahlbare Architektur bereit, die mehr Verteidigern helfen solle, Software abzusichern.