Die neue Linie bestätigte LG-Senior-Vizepräsident John Taylor gegenüber KrebsOnSecurity. Ein Residential-Proxy-Netzwerk sei keine vorgesehene Nutzung für LG-Smart-TVs, erklärte Taylor. Deshalb arbeite LG Electronics mit Entwicklern daran, die Residential-Proxy-Option aus ihren Apps auf der webOS-Plattform zu entfernen. Falls das nicht geschehe, würden die Anwendungen ausgesetzt.
Taylor sagte zudem, LG wolle Residential-Proxy-Netzwerke auch künftig aus Smart-TV-Apps heraushalten. Die Überprüfung der betroffenen Anwendungen sei bereits „in vollem Gange“. In einer per E-Mail übermittelten Stellungnahme erklärte er weiter, LG werde im Rahmen seiner laufenden Bemühungen zur Verbesserung von Plattformqualität und Nutzererlebnis den Prüfprozess für von Entwicklern eingereichte Apps weiter verschärfen, einschließlich solcher, die Residential-Proxy-SDKs einbinden.
Ausgangspunkt war ein Bericht von Spur, über den bereits am 2. Juli berichtet wurde. Die Sicherheitsfirma untersuchte, wie verbreitet Residential-Proxy-SDKs in Smart-TV-Apps sind. Das Ergebnis: Mehr als 42 Prozent der für LG-Smart-TVs verfügbaren Apps enthalten laut Spur SDKs, die einen Fernseher auf unbestimmte Zeit in einen Proxy-Knoten verwandeln. Bei Samsung-Fernsehern mit Tizen OS fand Spur in mehr als einem Viertel der Apps ähnliche Komponenten.
Für App-Entwickler sind solche SDKs eine Möglichkeit zur Monetarisierung. Anbieter von Residential Proxys bezahlen demnach Entwickler dafür, dass sie Bausteine integrieren, die das Gerät eines Nutzers in einen vermietbaren Residential-Proxy-Knoten verwandeln. Bei LG- und Samsung-Smart-TVs fand Spur diese Komponenten nach eigenen Angaben in sehr unterschiedlichen Anwendungen, von einfachen Spielen wie Pac-Man bis hin zu Bildschirmschonern und Dateidienstprogrammen.
Laut Spur entfiel der Großteil der Proxy-SDKs auf Smart-TVs von Samsung und LG auf das Residential-Proxy-Netzwerk Bright Data. Bright Data reagierte nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Bright Data und andere in Spurs Bericht genannte Proxy-Anbieter erklärten dem Bericht zufolge, sie setzten strenge Verfahren zur Identitätsprüfung ihrer Kunden ein, um legitime Nutzungen ihrer Dienste zu überprüfen. Diese seien häufig eng mit dem automatisierten Sammeln von Inhalten verknüpft. Außerdem betonten die Unternehmen, sie hätten technische Gegenmaßnahmen implementiert, damit Kunden ihrer Proxy-Dienste nicht mit anderen Geräten im lokalen Netzwerk des Proxy-Nutzers interagieren oder diese steuern können.
Spur kritisiert nicht die Existenz solcher Netzwerke an sich, sondern deren massenhafte Einbettung in Geräte, die viele Verbraucher nicht als Computer wahrnehmen und deren Verhalten sie nicht prüfen können. Trevor Sutter von Spur schrieb, eine einmalige Zustimmungsmeldung, die in einer TV-App versteckt sei, ersetze weder echte Transparenz noch fortlaufende Kontrolle und Plattformaufsicht. Das Risiko steige zusätzlich, wenn die Zustimmung von Personen im Haushalt komme, die das Gerät zwar nutzen, aber keine Einwilligung geben sollten, etwa Minderjährigen.
LGs Vorgehen gegen Residential-Proxy-SDKs folgt auf eine weitere Debatte um eine Partnerschaft des Unternehmens. Der Youtube-Kanal Gamers Nexus zeigte in dieser Woche, dass bestimmte LCD-Monitore von LG automatisch eine App installieren, die kostenpflichtige McAfee-Antivirus-Abonnements bewirbt. Nach Darstellung von Gamers Nexus gelangt die App über Windows Update auf die Systeme, ohne dass zuvor eine Bestätigungsabfrage erscheint.
