Acronis trennt in seinem Beitrag zwei parallele Entwicklungen: Einerseits nutzen Angreifer KI, um bestehende Abläufe effizienter zu machen. Andererseits können Unternehmen mit eigenen KI-Einführungen unbeabsichtigt ihre Angriffsfläche ausweiten. Nicht jede Anwendung bringt dabei dasselbe Risiko mit sich. KI-Assistenten rufen vor allem Informationen ab oder erzeugen Inhalte auf Eingabe hin, während KI-Agenten weiter gehen und Geschäftsanwendungen ansprechen, Programmierschnittstellen aufrufen und im Namen eines Nutzers Aktionen ausführen.

Entscheidend ist laut Acronis die delegierte Autorität. Moderne Ransomware-Kampagnen beginnen demnach typischerweise mit der Ausnutzung von Schwachstellen, der Kompromittierung von Zugangsdaten oder dem Missbrauch vertrauenswürdiger Zugänge Dritter. Danach folgen Aufklärung, Rechteausweitung, die Identifikation wertvoller Daten und die Exfiltration von Informationen, bevor Angreifer Systeme verschlüsseln, Opfer erpressen oder beides tun. Microsoft meldet nach Angaben des Beitrags die Analyse von rund 38 Millionen Erkennungen von Identitätsrisiken pro Tag. Die Cloud Security Alliance hat zudem großangelegte Phishing-Kampagnen mit OAuth-Device-Code gegen Microsoft-365-Nutzer dokumentiert.

Warum das für Unternehmens-KI relevant ist, beschreibt Acronis mit dem Vererbungsprinzip von Identitäten und delegierten Berechtigungen. Werden diese Identitäten kompromittiert, können Angreifer demnach auch auf die damit erreichbaren KI-Dienste, Unternehmensdaten und verbundenen Anwendungen zugreifen. Ein mit Unternehmenswissen verbundener KI-Assistent könne den Aufwand zur Suche nach sensiblen Informationen drastisch senken. Statt manuell Hunderte Ordner zu durchsuchen, könnte ein Angreifer mit legitimen Zugangsdaten den Assistenten nach Backup-Dokumentationen, administrativen Abläufen, Kundendaten oder Finanzunterlagen fragen.

Ähnlich verhält es sich bei KI-Agenten mit weitergehenden Rechten. Wenn ein Agent E-Mails versenden, Dateien exportieren oder verbundene Geschäftswerkzeuge aufrufen darf, könnten Angreifer nach einer Kompromittierung seiner Identität diese Fähigkeiten missbrauchen, um Datendiebstahl oder nicht autorisierte Aktionen zu beschleunigen. Acronis betont, dass das Grundproblem nicht die KI selbst ist, sondern übermäßiger Zugriff.

Als KI-spezifische Schwachstelle auf Anwendungsebene nennt der Beitrag Prompt Injection. Sie sei jedoch nur ein Teil eines breiteren Risikos aus übermäßigen Berechtigungen, unsicheren Integrationen und unzureichender Aufsicht. In Dokumenten, E-Mails oder Webinhalten eingebettete schädliche Anweisungen könnten das Verhalten von KI-Systemen beeinflussen, wenn Unternehmensanwendungen diese Inhalte abrufen. Wie stark sich das auswirkt, hänge vor allem von den vergebenen Rechten ab. Deshalb verweist Acronis auf Sicherheitsleitlinien von Organisationen wie OWASP, die auf mehrschichtige Kontrollen, das Prinzip der geringsten Rechte und menschliche Freigaben für risikoreiche Aktionen setzen, statt allein auf das Filtern von Eingaben zu vertrauen.

Als Beleg für den wachsenden Effizienzgewinn auf Täterseite verweist Acronis auf den Acronis Cyberthreats Report H2 2025. Darin würden mehrere Beispiele dokumentiert, in denen KI unterschiedliche Phasen von Cyberoperationen unterstütze. Zugleich würden Betreiber von Ransomware-as-a-Service zunehmend mit KI-gestützter Automatisierung für die Umgehung von Abwehrmaßnahmen und für operative Effizienz werben. Diese Aussagen zeigten laut Beitrag vor allem, wie Ransomware-Akteure KI positionieren und wo sie Effizienzgewinne erwarten; einzelne Fähigkeitsbehauptungen seien jedoch möglicherweise nicht unabhängig verifiziert.

Als Gegenmittel empfiehlt Acronis keine völlig neue Sicherheitsstrategie, sondern eine Erweiterung bestehender Governance-, Identitäts- und Datenschutzpraktiken auf KI-Anwendungen und KI-Workflows. Unternehmen sollten KI in ihre Strategien für Identitäten, Datenschutz und Reaktion auf Sicherheitsvorfälle einbinden, statt sie als separates Sicherheitsfeld zu behandeln. Für Managed Service Provider und Enterprise-Sicherheitsteams sieht der Beitrag die Möglichkeit, bestehende Ansätze zur Cyberresilienz um KI-Governance zu ergänzen.

Der Hersteller verweist dabei auf Acronis GenAI Protection als Teil der eigenen Plattform. Das Werkzeug soll Schatten-KI-Nutzung aufspüren, Eingaben auf sensible Daten prüfen, Nutzungsrichtlinien durchsetzen und GenAI-Aktivitäten in derselben Plattform sichtbar machen, die auch für andere Cyber-Schutzdienste genutzt wird. Der Beitrag ist gesponsert und von Acronis verfasst; als Autor wird Santiago Pontiroli genannt, Threat Intelligence Research Lead der Acronis Threat Research Unit.