Nach Darstellung von Eclypsium zielen Angreifer seit Jahren wiederholt auf Router, VPNs, Firewalls und andere internetseitig erreichbare Infrastruktur, um in kritische Infrastrukturen und bei Telekommunikationsanbietern einzudringen. Das Unternehmen verweist dabei auf Kampagnen, die Gruppen wie Volt Typhoon und Salt Typhoon zugeschrieben werden. Vor diesem Hintergrund markiert der InfraTrust-Pulse-Bericht vor allem die Advisories, die internetexponierte Systeme betreffen, bereits ausgenutzt werden oder sich ohne Anmeldung aus der Ferne kompromittieren lassen.
Ein zentrales Beispiel sind laut Eclypsium die SonicWall-SMA1000-Schwachstellen CVE-2026-15409 und CVE-2026-15410. Angreifer hätten diese Lücken bereits Wochen vor der Offenlegung durch SonicWall missbraucht, um maßgeschneiderte Malware zu installieren. Das geschah dem Bericht zufolge noch bevor die Schwachstellen in CISAs KEV-Katalog aufgenommen wurden.
Ebenfalls hervorgehoben werden die Fortinet-FortiSandbox-Advisories FG-IR-26-100 und FG-IR-26-141. Sie enthalten die beiden älteren kritischen Command-Injection-Schwachstellen CVE-2026-39808 und CVE-2026-25089. Diese Lücken wurden zwar bereits im April 2026 beziehungsweise Juni 2026 offengelegt, aber laut Eclypsium erst nach festgestellter Ausnutzung am 16. Juli in den KEV-Katalog von CISA aufgenommen. Eclypsium erklärt dazu, man nehme die beiden CVEs trotz eines Veröffentlichungsdatums außerhalb des 30-Tage-Fensters auf, weil CISA beide mit einer Frist zur Behebung für Bundesbehörden bis zum 19. Juli unter BOD 26-04 versehen habe.
Bei Dell nennt der Bericht die Advisories DSA-2026-240 und DSA-2026-317 zu kritischen Schwachstellen in EMC Networking OS10 und SmartFabric Manager. Besonders das OS10-Advisory sei bemerkenswert, weil es nach Angaben von Eclypsium Hunderte Upstream-Korrekturen umfasst. Das unterstreiche, dass Netzwerkbetriebssysteme vollständige Linux-Distributionen mit großer Angriffsfläche seien.
Auch F5 BIG-IP steht auf der Prioritätenliste. Das Advisory K000153397 behandelt kritische, nicht authentifizierte Schwachstellen in Application Delivery Controllern und Load Balancern, die typischerweise direkt am Rand von Unternehmensnetzen stehen. Genau diese Position mache die Geräte laut Eclypsium zu attraktiven Zielen.
Für Juniper Networks verweist der Bericht auf JSA110083 und JSA110086. Die darin beschriebenen, aus der Ferne ausnutzbaren Fehler in Junos OS können betroffene Router und Switches zum Absturz bringen und damit die Netzwerkverfügbarkeit beeinträchtigen. NVIDIA wiederum behandelt mit Security Bulletin 5865 Schwachstellen in BlueField-DPUs und ConnectX-SmartNICs, die in KI- und Rechenzentrumsinfrastrukturen eingesetzt werden.
Darüber hinaus hebt Eclypsium Firmware- und Hardware-Schwachstellen hervor. Updates für diese Komponenten kämen häufig später als vorgelagerte Sicherheitskorrekturen, weil Hardwarehersteller sie erst integrieren und verteilen müssten. Als Beispiel nennt der Bericht das HP-Poly-Video-Advisory, das vier Monate nach der bereits in Angriffen ausgenutzten Qualcomm-GPU-Treiberlücke CVE-2026-21385 erschien. Zu diesem Zeitpunkt war die Schwachstelle bereits in CISAs KEV-Katalog aufgenommen worden.
Ein methodischer Unterschied zu vielen anderen Übersichten liegt laut Eclypsium darin, nicht einzelne CVEs zu zählen, sondern Hersteller-Advisories. Ein einziges Infrastruktur-Advisory könne Dutzende oder sogar Hunderte Schwachstellen umfassen. Im Juli-Bericht stehen deshalb zwar sechs kritische Advisories, zugleich aber auch 26 Schwachstellen im Fokus, die sich ohne Authentifizierung aus der Ferne ausnutzen lassen. Eclypsium betont, dass eine per Internet erreichbare Lücke mit niedrigerem CVSS-Wert für Unternehmen riskanter sein könne als eine höher bewertete Schwachstelle, die lokalen Administratorzugriff voraussetzt.
