Nach Angaben von Nichirei Logistics Group sollen die durch die Systemausfälle der vergangenen Woche beeinträchtigten Lagerabläufe und Lieferungen von Tiefkühlkost bis zum Ende der Woche wieder den Normalbetrieb erreichen. Das Unternehmen erklärte am Mittwoch, den Vorfall weiterhin zu untersuchen. Eine Zuordnung zu einem bestimmten Bedrohungsakteur nahm Nichirei bislang nicht vor.
Spät am Dienstag veröffentlichte RansomHouse den Namen von Nichirei auf seiner Leak-Seite im Darknet und beanspruchte den Angriff für sich. Die Gruppe forderte das Unternehmen dazu auf, Kontakt aufzunehmen, um die Veröffentlichung dessen zu verhindern, was sie als „vertrauliche Daten, Projekte und Dokumente“ bezeichnete. In ihrer Nachricht an die Unternehmensführung schrieb die Gruppe, man habe längere Zeit auf eine Reaktion gewartet, doch offenbar habe die IT-Abteilung entschieden, den Vorfall zu verbergen. Ob eine Lösegeldforderung gestellt wurde, legte RansomHouse nicht offen.
Nichirei äußerte sich nicht zu den Behauptungen der Angreifer und reagierte zunächst auch nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme. Das Unternehmen teilte jedoch mit, dass einige der betroffenen Server personenbezogene Informationen enthielten und die betroffenen Personen benachrichtigt worden seien. Ob Daten gestohlen wurden, bestätigte Nichirei nicht. Weitere Einzelheiten zum Angriff nannte das Unternehmen ebenfalls nicht.
Die Auswirkungen reichten über Nichirei selbst hinaus. Betroffen war das landesweite Netz von rund 140 Kühlverteilzentren. Dadurch gerieten Lieferketten für Lebensmittelhersteller, Supermarktketten und Restaurantbetreiber unter Druck. Zu den betroffenen Unternehmen zählte auch KFC Japan. Die Fast-Food-Kette hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, dass gestörte Lieferungen einer Nichirei-Tochter zu Engpässen bei Zutaten geführt hätten, darunter auch beim bekannten „Original Recipe“-Hähnchen. In der Folge mussten einige der mehr als 1.300 Restaurants ihre Speisekarten verkleinern und die Öffnungszeiten verkürzen.
Am Mittwoch erklärte KFC Japan, die Lieferungen seien wieder aufgenommen worden und alle Restaurants arbeiteten wieder normal. Zum Anlass der Erholung startete das Unternehmen eine Werbeaktion mit vergünstigtem Original Chicken unter dem Slogan „Das Hähnchen ist zurück!“.
RansomHouse ist seit März 2022 bekannt. Die Gruppe gilt als Akteur, der Opfer direkt erpresst. Statt Daten zu verschlüsseln, droht sie damit, Informationen öffentlich zu machen, die sie nach eigener Darstellung entwendet hat. Sie bezeichnet sich selbst als „Kraft für das Gute“ und behauptet, Sicherheitsmängel in Unternehmen offenzulegen. Sicherheitsforscher haben RansomHouse zuvor mit russlandnahen Bedrohungsakteuren in Verbindung gebracht, darunter Alphv/BlackCat, LockBit 3.0 und RagnarLocker.
Die Gruppe hatte zuvor auch die Verantwortung für einen Angriff auf den japanischen Händler Askul reklamiert. Damals wurde dessen E-Commerce-Betrieb gestört, und das Unternehmen legte einen Sicherheitsvorfall offen, bei dem Kunden- und Lieferanteninformationen betroffen waren.
In den vergangenen Wochen haben mehrere weitere große japanische Unternehmen aus verschiedenen Branchen Cyberangriffe offengelegt, darunter der Telekommunikationsanbieter KDDI, die japanische Einheit des Versicherers Aflac, der Elektronikhersteller Nidec und der Brauereikonzern Sapporo Holdings. Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen diesen Vorfällen gibt es laut Quelltext nicht; die dahinterstehenden Akteure sind unbekannt.
